Friedenskundgebungen in Ostwestfalen, Juli / August 1914

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Die Mobilmachungs-Nachricht fungierte wie ein Ablassventil, das den Überdruck der Ungewissheit freisetzte, Klarheit über die neue, ernste Lage verschaffte und eine Kriegsentschlossenheit, aber keine Kriegseuphorie produzierte. Wie es in den Köpfen derer aussah, die den Straßen und den Plätzen fernblieben, kann nicht geschildert werden. Die Ventilfunktion, die in Berlin in ein „Na endlich!“ oder „Also doch!“ mündete, bestätigt eine Schulchronik der 1. Bürgerschule (Osning-/Vogelruthschule) in Brackwede. Rektor Wilhelm Behrens beschreibt den Stimmungswandel von der Julikrise zur Mobilmachung, als zuerst mit Revolution in Brackwede gedroht wurde, falls es einen Krieg geben sollte, dann aber „am Tage der Mobilmachung sang man im sozialdemokratischen Lokale Vaterlandslieder! […] und erleichtert atmete alles auf, als am 1. August nachmittags 6 Uhr die Kunde von der befohlenen Mobilmachung hier bekannt wurde.“

Sozialdemokratische Friedenskundgebungen sollten bis in den August andauern. Vor 7.000 Zuhörern machte der Volkswacht-Redakteur Carl Severing (1875-1952) am 28. Juli 1914 in Bielefeld die Folgen klar, wenn die Bündnissysteme griffen: „Millionen von Volksgenossen werden dann zur Schlachtbank geführt“.

(Dr. Jochen Rath, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld)

Quelle: Volkswacht v. 29. Juli 1914

Signatur: Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,2/Zeitungen, Nr. 43

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