Tagebuch Hermann Bornemann, 19.8.1914

140819bornemann

Tagebuch Hermann Bornemann, 19.8.1914 (Ausschnitt)

Biwack auf der Straße in Meelen [Melen], den 19. August

Wir kamen gestern an einem kleinen Fort vorbei, welche auch total in Trümmern lag; war nur noch ein Schutthaufen. ½ 5 auf, etwas Kaffee, Essen ist knapp. 6 Uhr Abmarsch in Richtung Lüttich. Klares, doch ziemlich kaltes Wetter. In Lüttich selbst mächtige Straßenzüge, schöne Bauwerke, viel Verkehr. Die große Brücke über die Maas ist gesprengt. Etwas weiter ist von den großen Lastkähnen eine Schiffsbrücke gebaut; dort fahren auch wir rüber. Mächtige Steigungen sind in der Stadt. Stellenweise fast alle Fensterscheiben entzwei. Wie gesagt wird, sollen viele Vergiftungen an unseren Truppen in den ersten Tagen vorgekommen sein. Hinter Lüttich mehrere Zechen. Bewohner sind zum Teil Wallonen, ein kleiner Teil Deutsche. Viele große Denkmäler. Hinter der Stadt viel Verwüstungen unserer Artillerie. Weiter nach Hannuit. Es ist wieder sehr heiß geworden. Gend[armerie]-Wachtm[eister] [Seite 14] Müller, welcher zu uns kommandiert ist und mit welchem ich mich gut angefreundet habe, geht mit mir in ein Haus, wo wir etwas essen. Die Leute  bieten uns Wein an und trinken erst selbst davon. Das ist ihnen schon zur Gewohnheit geworden, da man ihnen doch nie trauen kann. Auch hier sind alle Fenster mit Inf[anterie]-Kugel[n] gespickt, keins mehr ganz heil. Die Straßen sind hier alle mit Steinen gepflastert. In einer Brauerei Halt; die Pferde stehen unter Bäumen; wir können, außer einer Wache, in dem Hause schlafen. Offizierspferde in gute Stallungen. Einige Pferde werden hier requiriert. Einige Säcke mit Malzzucker finden wir vor und werden verteilt. Leute sind nicht mehr hier. Zirka 25 Hühner müssen dran glauben und giebt es in den Gruppen eine schöne Suppe. In einer Sektion haben sie die Tiere gekocht, ohne sie erst auszunehmen. Die Suppe soll nicht gut gemundet haben. Unser Lager ist mäßig. Scharfe Sicherung, da wir am Schluß der Staffel marschieren. In der Ferne Kanonendonner; ich schlief bald ein, bin rechtschaffen müde.

Quelle: Tagebuch von Hermann Bornemann (Herford). Privatbesitz. Leihgabe an das Gemeindearchiv Herzebrock-Clarholz.

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