Tagebuch Hermann Bornemann, 25.8.1914

140825bornemann

Tagebuch Hermann Bornemann, 25.8.1914 (Auszug)

Waldheim St. Georg, den 25. August 1914

5½ auf. Pferde pflegen. Sattelzeug und Waffen putzen. Kurze Kaffeepause. Wir schlachteten ein Rind für die Kol[onne]. Sektionen erhalten für zwei Tage Fleisch. Der Besitzer regt sich auf, daß wir etwas Holz verbrauchen. Von unserem [Seite 20] K[omman]d[eu]r erhält er Recht. Wir müssen uns Holz suchen, trotzdem auf dem Hofe alle Schuppen voll sind. Für Futtermittel erhalten die Leute stets Bons in angemessenem Betrage. Abmarsch nach Grenbloux [richtig: Gembloux]. Vor dem Bahnübergang kommen die ersten 4.000 Belgier an uns vorbei aus Namur. Lauter bunte Gestalten, alt und jung. Ein Gefangener wurde von seiner Frau begrüßt, ergreifende Bilder. Geführt wurden die Gefangenen von Gendarmerie und Garde-Inf[anterie]. Wir marschieren weiter, nachdem an einem Depot wieder alles  beladen hat. Zirka 200 Turkos [Schimpfwort für nordafrikanische Soldaten in der französischen Armee] und Zuawen [Nordafrikanische Soldaten. Die Bezeichnung geht auf den Namen eines kabylischen Stammes aus dem Atlasgebirge zurück.] kommen uns dann noch entgegen. Buntes Bild, die meisten verwundet. Riesenhafte Gestalten waren dazwischen. Dann eine lange Reihe Wagen mit deutschen Verwundeten. Viele Kopfschüsse und Armwunden. Im Dunkelwerden fuhren wir auf einer Wiese auf zum Biwack beziehen. Die halbe Kol[onne] ist noch zurück zu Laden. Es ist ziemlich kalt und regnet etwas. Namur ist heute Mittag gefallen. Vor einigen Tagen ist Unt[ero]ff[i]z[ier] Hausmann zum etatsm[äßigen] Wachtmeister befördert. Wachtm[eister] Erpenbeck ist Vize[feld]w[ebel]. Vorgenannter ist aktiv vom Tr[ain]-B[a]t[ail]l[on] 7, ziemlich jung, 24 Jahre alt, hat also Glück gehabt. Na, ich gönne es ihm. Bislang kann man noch nicht drüber klagen. San[itäts]-Gefr[eiter] Braun, welcher von Detmold aus schon mit Tressen antrat, ist zum Unt[ero]ff[i]z[ier]. befördert. Lege mich dann auf einen Wagen, welcher mit Hafer geladen ist; hartes Lager.

Quelle: Tagebuch von Hermann Bornemann (Herford). Privatbesitz. Leihgabe an das Gemeindearchiv Herzebrock-Clarholz.

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