Tagebuch Hermann Bornemann, 2.9.1914

140902bornemann

Tagebuch Hermann Bornemann, 2.9.1914 (Ausschnitt)

Bienne les Happard, Mittwoch, den 2.September 1914

5 Uhr wecken. Löhnungsappell. Um ½ 7 ertönte plötzlich immer stärker werdenden Inf[anterie]-Feuer in der Nähe der Bäckerei Kol[onne], welche zirka 300 m[e]t[e]r von uns liegt. Es heißt, feindl[iche] Banden seien im Walde, um die Eisenbahn zu zerstören. Wurden aber von der Landw[ehr]-Inf[anterie] und den Kar[abiner]-Schützen des Train zurück geworfen. Einige wurden gefangen und sogleich standrechtlich erschossen. Die Kol[onne] mußte auch sofort fertig machen, zum Parkplatz, da noch weitere Angriffe erwartet wurden. Wir sollen nun auf dem Parkplatz biwackieren. Die halbe Kol. fährt heute Mehl. Mit Stockhecke, dem Offizierskoch und einigen Handwerkern baute ich dann noch das Offizierszelt auf. Um ½ 4 kamen unsere Wagen zurück, alle Wagen voll franz[ösische] Verwundete, schwere und leichte Verwundungen. Einige jammerten ganz entsetzlich. Wir reichten ihnen, was wir an Wein, Wasser und Brot hatten; dafür waren sie sehr dankbar. Lauter gesunde, stramme Leute. Die Kol. war bis an unsere Artilleriestellungen vor Maubeuge gewesen. Einige Einschläge in der Nähe. Vorn tobt noch immer eine furchtbare Kanonade. Zur Erinnerung an Sedan bekam heute jede Sektion 5 Fl[aschen] Wein vom K[omman]d[eu]r spendiert. Er war anscheinend
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guter Laune. Bis 11 Uhr wurde am Wachtfeuer gesungen, begleitet von Kam[erad] Kampmann mit einer gefundenen Handharmonika. Der spielte diese meisterhaft. Kam[erad] Kaspohl hielt dann noch eine ergreifende Ansprache nebst Andacht und Gebet, welches von uns mit Freuden unter dem Rollen unserer schweren Geschütze, nicht weit von uns, mitgesprochen wurde. Dann kroch auch ich mit Kam[erad] Landwehr und Eickhoff in einen Wagen. Bald klagte letzterer jedoch über gequetschte Beine, da der Raum für solch‘ drei lange Kerle ein wenig eng war. Ich zog es dann vor, im Woylach unter dem Wagen zu schlafen. Wie noch gesagt wurde, soll Paris von unseren Truppen eingeschlossen sein und wir hätten ein Ultimatum gestellt. Heute Abend machten wir noch einen kleinen Umzug vors Offizierszelt und ließen die Herren hochleben.

Quelle: Tagebuch von Hermann Bornemann (Herford). Privatbesitz. Leihgabe an das Gemeindearchiv Herzebrock-Clarholz.

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