Tagebuch Hermann Bornemann, 6.9.1914

140906bornemann

Tagebuch Hermann Bornemann, 6.9.1914 (Ausschnitt)

[Seite 30]
Biwack bei Bienne les Happard, Sonntag den 6. September 1914

5 Uhr wecken, Pferdepflege. ½ 7 Kaffee trinken. 9 ½ sollte Andacht sein. Wir werden heute wohl hier liegen bleiben und freuten uns sehr auf Ruhe und Schlaf. Diese Nacht war es sehr stürmisch geworden und kalt, und habe auch ich sehr gefroren nur im Mantel und ohne Decken. Die Woylachs [Satteldecken] müssen auf den Pferden bleiben und Schlafdecken haben wir keine. Doch der Mensch denkt, Gott lenkt! 8:15 kommt der Befehl: Fertig machen! Gleich darauf Abmarsch, wieder nach Bienne les Happard. Dort wurde das Mehl an die Bäckerei-Kol[onne] abgegeben und mehrere tausend Brote empfangen. Dann gleich weiter nach den Artilleriestellungen vor Maubeuge. Die Batterien haben heute ganz mächtig getroffen. Um 6 ½ waren wir zum Ausgang von Merbes-le-Chateau und sollten dort Biwack beziehen, weitere Befehle abwarten. Flott ging unsere Sektion ans Kartoffelschälen, welche hier in Menge standen. Bald hatten wir dann auch Kartoffeln und Specksause fertig. Eben hatten wir uns ein Lager gemacht, wozu wir Weizen- und Hafergarben eine ganze Strecke weit geholt hatten. als ein Auto kam und den Befehl zum sofortigen Abmarsch brachte. Wir marschierten dann noch 5 km bis zu den Stellungen der schweren Batterie. Merbes-le-Chateau ist fast ganz vernichtet, nur noch Ruinen. Ein trostloser Anblick. Als wir entladen haben, geht es zurück nach Bienne les Happard. Die Geschütze sind furchtbar am Rollen. Es wurde eine Fahrt mit Hindernissen für uns, da L[eutnan]t Puwelle sehr schlechter Laune. Die Leute hatten fast nichts gegessen. Nur ein kleines Stückchen Speck wurde ausgeteilt. Der K[omman]d[eu]r gebrauchte Ausdrücke und Titel für die Leute, welche ich in meiner aktiven Dienstzeit von keinem Vorgesetzten [gehört, E.M.] habe. ‚Schlage euch gleich ins Genick‘. ‚Diese Bande werde
[Seite 31]
ich aufschwärzen.‘ ‚Sie sind wohl verrückt geworden!‘ u[nd] s[o] f[ort]. So etwas ist traurig, aber den hiesigen Wein kann nicht ein jeder vertragen. Die Fahrer mußten mehrere Kil[ometer] zu Fuß laufen, im Dunkel der Nacht, bei den schlechten Wegen. Um 6 ½ morgens kamen wir in Bienne les Happard an. Todmüde und hungrig, auch die Pferde sind abgetrieben zum Umfallen.

Quelle: Tagebuch von Hermann Bornemann (Herford). Privatbesitz. Leihgabe an das Gemeindearchiv Herzebrock-Clarholz.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s