Aus dem Tagebuch von Hedwig Stegemann, Herford, 28.9.1914

Drei Wochen ist es nun schon her, daß zum letzten Male die Siegesglocken läuteten. Eine bange Zeit! Wie viel Blut in dieser zeit wohl geflossen ist. Vor Paris findet nämlich ein starkes Ringen statt. Ich glaube, es ist der letzte Verzweiflungskampf der Franzosen. Nur dies noch überwinden, dann ist der eine Feind wenigstens überwunden, wenn er auch noch keinen Frieden machen kann. Wie mancher Deutscher Held hat sich schon auf dem Felde der Ehre opfern müssen für das Vaterland. Fast jeden Tage stehen Todesanzeigen gefallener Krieger in der Zeitung. Leutnant der Res[erve] Kallmeyer, Angenete, Huchzermeyer, dann Mühler, Decius, Husemann, Stackenbürger, Leutnant Lücken und von der Schulenburg und noch mehrere andere Herforder sind schon gefallen.

Gestern feierten wir Mutters Geburtstag. Frau Ahlersmeyer mit Dora waren bei uns und Frau Beißert. Herr Dieterle war von Minden auf Urlaub hier. Abends brachten wir ihn zum Bahnhof und gingen dann noch mit Ahlersmeyers bis zum Renntor.

Gestern war es ein Jahr, seit ich vor Rhöndorf abfuhr, was hat sich doch in der Zeit alles ereignet! Es ist aber doch auch herrlich, in solch einer großen Zeit zu leben!
Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!

Quelle: Das Tagebuch der Hedwig Stegemann aus Herford im Ersten Weltkrieg (1.1.1914-10.5.1918)

Signatur: Kommunalarchiv Herford, Stadtarchiv Herford, Slg. E 521 (Transkription C. Laue)

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