Aus der „Kriegschronik“ des Rettungshauses Schildesche, 2.2.1915

Nachdem unser Lehrer Böckstiegel, mit dem Eisernen Kreuz geschmückt und von seiner Wunde genesen, schon vor einigen Wochen wieder auf den … Kriegsschauplatz zurückgekehrt ist, ist heute Nachmittag unser dritter Lehrer, Herr Rubbe, eingezogen worden, obwohl er wegen eines Herzfehlers höchstens Garnison-Dienste wird leisten können. Der Unterricht muss infolgedessen noch weitere Verkürzungen erleiden.

Am gleichen Nachmittag besuchten uns 45 verwundete Krieger aus dem Lazarett in Haus Nebo unter Führung ihres Hausvaters Grimme. Im Betsaal wurden sie mit einigen Liedern und einem kurzen Wort des Anstaltsleiters begrüßt; im Präparanden-Speisesaal wurde Kaffee getrunken; Brot und Gebäck hatten unsere Gäste selbst mitgebracht. Pastor Bellingrodt erzählte kurz von der Geschichte und der Arbeit der Anstalt und las auch einige Gedichte von Reuter vor; den Dank unserer Gäste brachte ein fast wieder genesener, junger sächsischer Lehrer in humorvoller Weise zum Ausdruck. Trotz Stock und Krücken wurde auch ein Gang durch die Anstaltshäuser gemacht, von dem sich nur ganz wenige ausschlossen. Unseren Gästen schien der fröhliche Nachmittag Freude gemacht zu haben, und keiner vergaß das Danken.

Quelle: Aus der „Kriegschronik“ des Rettungshauses Schildesche, von Anstaltsleiter Pastor Paul Bellingrodt (1875-1951).

Signatur: Archiv des Ev. Johanneswerks, Re/Schild – 5

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