Aufklärungsflieger im Ersten Weltkrieg

Das Flugzeug war 1910 in der deutschen Armee eingeführt worden. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs waren insgesamt 232 Flugzeuge verfügbar, die Feldflieger- und Festungsfliegerabteilungen zugeordnet waren. Im Rahmen einer ersten Umstrukturierung kamen in der zweiten Jahreshälfte 1915 Artilleriefliegerabteilungen hinzu; im weiteren Kriegsverlauf folgten noch mehrere Reorganisationen der Fliegertruppe. Bei Kriegsbeginn gehörten 500 Piloten und Beobachter zur Fliegertruppe des Deutschen Kaiserreichs.

Zunächst dienten die Einsätze in erster Linie der Aufklärung. Auf diesem Gebiet verdrängten die Flugzeuge schon nach kurzer Zeit die Kavallerie, die bis zum Ersten Weltkrieg die Observation des Gegners übernommen hatte.

Die Aufklärungsflieger erkundeten aus der Luft das Terrain, beobachteten die feindlichen Truppen und lenkten die eigene Artillerie. Dabei bedienten sie sich der Luftfotografie: Aus dem zweisitzigen Flugzeug heraus schoss der Beobachter mit einer Kamera Fotos, die später am Boden entwickelt und ausgewertet wurden. Die Bilder lieferten wichtige Informationen für die Angriffsplanung.

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Luftaufnahme von Ypern, August 1915

Die Maschinen waren jeweils mit einem Piloten und einem Beobachter besetzt, die bei den Aufklärern im Team arbeiteten. Bei den doppelsitzigen, noch unbewaffneten B-Flugzeugen saß der Flugzeugführer noch hinten, der Beobachter auf dem Sitz vor ihm. Dies änderte sich mit Einführung der C-Flugzeuge im Jahr 1915: Jetzt saß der Pilot auf dem vorderen Sitz, während der Beobachter vom hinteren Sitz aus ein fest eingebautes Maschinengewehr bediente. Mit diesem konnte er von hinten angreifende feindliche Maschinen beschießen.

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„Barensprung – Kisker, Bombenflug nach Poperinghe“, vermutlich Ende 1915

Das Foto zeigt die Beladung eines Flugzeugs mit Bomben. Vorn auf dem Pilotensitz sieht man Rudolf Kisker, dahinter sitzt sein Beobachter Baerensprung, dem gerade eine Bombe angereicht wird – wie erwähnt, ließ der Beobachter die Bomben über dem Ziel fallen. Neben Barensprung ist das eingebaute MG des Beobachters zu sehen.

Diente diese Bewaffnung zunächst nur der Selbstverteidigung, wurde später auch offensiv der Luftkampf gesucht. Ab der zweiten Generation der C-Flugzeuge verfügte der Pilot ebenfalls über ein fest eingebautes Maschinengewehr. Die immer leistungsfähiger werdenden Flugzeuge wurden ab 1916 zudem verstärkt für den Abwurf von Bomben eingesetzt: Diese wurden per Hand vom Beobachter über dem Ziel fallen gelassen.

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„Lichtbild-Hochbetrieb“

Die hier gezeigten Fotos zum Thema Luftaufklärung stammen von Rudolf Kisker, der 1915/1916 als Aufklärungsflieger bei der im belgischen Menin stationierten Feldfliegerabteilung 3 im Einsatz war.

Literatur:

  • Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Deutschland im Ersten Weltkrieg, Frankfurt a. M. 2013, S. 207.
  • Jörg Mückler, Die deutschen Aufklärer im Ersten Weltkrieg: Franz und Emil über allen Fronten, in: Klassiker der Luftfahrt Heft 7/2014, S. 20-27.

Eva-Maria Hartmann, Kisker-Archiv, Bielefeld

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