Ein Ostergruß den Soldaten der Gemeinde Lüdenhausen, 1917

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Konfirmationsansprache

Palmarum 1917

Liebe Kinder, liebe Eltern, liebe Gemeinde!
Zum dritten Male feiern wir mitten im furchtbaren Weltkriege den Tag der Konfirmation, Euren Ehrentag, liebe Kinder. – War dieser Tag schon sonst immer auf den Ton tiefsten Ernstes und heißen Dankes gestimmt, heute noch viel mehr, denn gewaltig rollt Gottes Stimme im Donner der Schlachten, im Untergang ganzer Völker, im Sterben der Einzelmenschen. Der Altar, vor dem ich stehe, legt Zeugnis für den Ernst der Zeiten ab, redet aber auch von unvergänglicher Liebe, von der Liebe, im Vergleich zu der unser Heiland keine größere kennt. Wußten sonst Väter und Brüder für Kinder und Geschwister zu arbeiten, Dein Vater, Marie, fiel für Dich, Eure Brüder starben für Euch, Lina, Fritz, und zu kämpfen, Gefahr und Not zu trotzen für Euch, für uns, über 300 unserer Gemeinde können’s. – Wir gedenken ihrer in dieser Feierstunde, wir verdanken sie ihrer Todestreue, ihrem Kampfesmut. Blut, rotes Edelblut, half dieser Stunde kommen, blankes Schwert schützt sie, Gottes Segenshand liegt auf Euch. Er bleibe bei uns immerdar, Er sei heute in unserer Mitte und schenke Euch und uns die rechte Andacht, ein tiefes Herz, offene Ohren!

Quelle: Heimatgrüße der Kirchengemeinde Lüdenhausen, Ostern 1917

Signatur: Landeskirchliches Archiv Detmold, Archiv der Kirchengemeinde Lüdenhausen

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Tabea. Mitteilungen aus dem Diakonissenhause in Detmold, Januar 1917

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Mitteilungen aus dem Diakonissenhause in Detmold (PDF-Download)
No. 1, Januar 1917

Aus Feldbriefen unserer Schwester

Eine Schwester schreibt von der Westfront:
Ich könnte Ihnen sehr viel Interessantes erzählen, aber ich darf und will nichts ausplaudern, nur wünschen, daß Gott ein glückliches Gelingen gibt zu all den Plänen, nach denen hier gearbeitet wird. Und mag der Wall, den deutsche Männer erneut befestigen zum Schutze der Heimat ein Prellblock werden, an dem unsere Gegner zerschellen. Wir werden im kommenden Frühjahr vielleicht noch Furchtbareres erleben als im vergangenen Sommer , da die furchtbare Sommeschlacht tobte, aber, nachdem unsere Gegner die dargereichte Friedenshand unseres Kaisers so verächtlich zurückgewiesen haben, sagt man sich, daß es eben nicht anders sein kann, wenn wir jetzt die allerschärfsten Maßregeln ergreifen, um den Krieg weiterzuführen und dann, wills Gott, den Feind zum Frieden zwingen. Wie denkt man in der Heimat jetzt, nachdem keine Hoffnungen auf baldigen Frieden mehr bestehen? Hoffentlich herrscht dort wie hier dieselbe Entschlossenheit und der Wille zum Durchhalten.

Unser östlicher Schwesterntrupp wurde an die mazedonische Front versetzt. Den Briefen der Schwestern entnehmen wir:

Belgrad: — Ehe es wieder weiter geht, will ich Ihnen herzliche Grüße senden, die ersten vom serbischen Boden. Unser Abkommando nach Uesküb kam ein bisschen plötzlich. Mittags um 12 Uhr erfuhren wir es und um 3 Uhr mußte sämtliches Gepäck fertig sein, um 5 Uhr fuhren wir bereits selbst. Es tat uns doch leid, uns von all denen zu trennen, mit denen wir fast zwei Jahre zusammen gewesen waren. Der Trennungsschmerz ist allerdings all den neuen Eindrücken gegenüber schon fast verschwunden. Unsere vorgeschriebene Reiseroute ging über Berlin, Dresden, Wien. In Berlin mußten wir einen 1 tägigen Aufenthalt nehmen. Dort haben wir deutsche Kost in vollen Zügen genossen und auch die Wohltat eines guten Bettes. In Dresden, wo wir einen mehrstündigen Aufenthalt hatten, nahmen wir die Gelegenheit wahr, einen Abstecher in die Stadt zu machen. Wir besichtigten das königliche Schloß, die Hofkirche und das Georgstor, allerdings nur von außen, mehr Zeit blieb und nicht. Den schönsten Teil Sachsens und den oberen Teil von Oesterreich durchfuhren wir leider bei Nacht, unsere Augen, die die Dunkelheit durchdringen suchten, konnten leider nur die Umrisse wahrnehmen. Am Montag morgen waren wir in Wien, von der Stadt selbst konnten wir nichts sehen, weil sehr nebliges Wetter war. Eine kleine Katzenwäsche an der dortigen Bahnhofspumpe zu halten, soviel Zeit blieb uns gerade. Im Wagen selbst war kein Wasser vorhanden und somit waren wir genötigt, an der Pumpe die kleine Reinigung vorzunehmen, mit den Feldgrauen, die mir uns fuhren, um die Wette. Dann ging es weiter, kurz vor Budapest passierten wir die Stelle, wo sich vor Tagen ein Eisenbahnunglück zutrug. Es war nicht möglich gewesen, alles zu beseitigen, vollständig zertrümmerte Eisenbahnwagen lagen auf dem Gleise, die furchtbar mitgenommene Maschine war aufrecht stehen geblieben, auf einer Wiese lagen Fensterscheiben, Gepäckstücke und dergl[eichen] mehr. Auf der Rampe des Güterschuppens waren die Leichen aufgebahrt, deren Personalien noch nicht festgestellt waren. Ein Bild des Grauens. – Um 4 Uhr waren wir in Budapest, einer hübschgelegenen Stadt, dort wurde von einem Oesterreicher die Gründliche Reinigung unserer Abteile vorgenommen, die allerdings recht nötig war.

[…]

Sehr interessant und anziehend ist für uns das Türkenviertel. Man entdeckt dort immer wieder was Anderes und Neues. Vor einigen Tagen haben wir einem Harem einen Besuch abgestattet. An den eng vergitterten Fenstern, durch die kein Auge hindurchdringen kann, erkennt man schon von außen die Frauenhäuser und im Türkenviertel gibt es viel solcher. Wir klopften an die Tür eines solchen Hauses und unser Versuch gelang. Die Tür wurde vorsichtig geöffnet und ein Mädchenkopf lugte durch den Spalt, im nächsten Augenblick war er auch schon wieder verschwunden und die Tür flog zu. Gerade wollten wir weiter ziehen, als die Tür sich wieder öffnete und eine ältere Frau uns durch Zeichen höflich aufforderte, einzutreten. Ueber einen hübschen Flur wurden wir in ein Zimmer geführt, wahrscheinlich das Wohnzimmerder Familie, in welchem die Frauen und einige Kinder des Hauses auf dem Fußboden um ein kupfernes Kohlenbrocken hockten. Rings an den Wänden standen hohe und niedrige Tiwane. Eine blitzende Sauberkeit, die ich hier unten niemals gesucht hätte, strahlte uns aus allen Ecken entgegen. Nach Türkensitte wurden uns gleich einige Plätze auf dem Fußboden um das Kohlenbecken eingeräumt, wohl oder über mußten wir uns auf dem Fußboden niederlassen. Sehr leid tat es uns um die schönen Teppiche, die durch unsere sehr unsauberen Stiefel beschmutzt wurden. (Die Türken tragen im Hause nie Schuhe, die für draußen bestimmt sind.) Kaum hatten wir uns niedergelassen, als die jüngste der Frauen eiligst verschwand, um bald darauf mit einem zierlichen Tablett zu erscheinen. Einer jeden von uns wurde ein Glas Wasser gereicht, ein niedliches Schälchen und dazu echter Bienenhonig. Wir glaubten nun der Sitte gemäß zu handeln, indem wir etwas Honig zu dem Wasser taten und ihn darin aufzulösen versuchten, es gelang uns aber nicht. Auch sahen wir, daß die Frauen mit ziemlich erstaunten Gesichtern unser Tun verfolgten. Eine von ihnen kam auf den schlauen Gedanken, es uns vorzumachen, und da sahen wir, wie es gemacht wurde. Sie nahm mit dem Löffelchen etwas Honig, aß ihn und spülte danach den Löffel im Glase.

[…]

Signatur: Landeskirchliches Archiv Detmold, Archiv der Kirchengemeinde Lüdenhausen

Transkription: Kristina Ruppel, Landeskirchliches Archiv Detmold

Das Scheitern der Friedensinitiativen im Vorfeld des Kriegseintritts der USA 1917

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Aufruf Kaiser Wilhelm II. „An das deutsche Volk“ vom 12.1.1917 (Signatur: LAV NRW OWL D 81 Nr. 7)

Plakat mit dem Titel: Aufruf Kaiser Wilhelm II. „An das deutsche Volk“ vom 12.1.1917
Maße: 46 x 31 (H/B)
Signatur: LAV NRW OWL (Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Ostwestfalen-Lippe) D 81 Nr. 7

Plakattyp: Bekanntmachungsplakat
(aus Bestand Regierungsakten LAV NRW OWL L 75 XIII Nr. 3, 1 weiteres Exemplar)

Beschreibung:
Eine zornige Frau mit erhobenem Schwert steht vor einer zornigen Volksmasse; im Hintergrund ist ein großer fliegender Adler zu sehen. Die Blicke der Masse, des Greifvogels und der Frau sind in die Richtung des Betrachters, in die Ferne, ausgerichtet

Inhalt:
Kaiser Wilhelm II. wendet sich an das deutsche Volk. Er erklärt, dass die Feinde Deutschlands demaskiert seien, indem sie das Friedensverhandlungsangebot des Deutschen Reiches abgelehnt und nunmehr den Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber ihre Kriegsziele eröffnet haben, die er als „Eroberungssucht“ bewertet und „schändlich“ nennt.
Es folgen eine Erinnerung an die Tapferkeit und die Siege der Truppen sowie der Aufruf zum weiteren Kampf und dem Erdulden der Opfer mit der Aussicht auf einen Sieg mit Hilfe Gottes.

Transkription:

An das deutsche Volk!
Unsere Feinde haben die Maske fallen lassen. Erst haben sie mit Hohn und mit heuchlerischen Worten von Freiheitsliebe und Menschlichkeit unser ehrliches Friedensangebot zurückgewiesen. In ihrer Antwort an die Vereinigten Staaten haben sie sich jetzt darüber hinaus zu ihrer Eroberungssucht bekannt, deren Schändlichkeit durch ihre verleumderische Begründung noch gesteigert wird.
Ihr Ziel ist die Niederwerfung Deutschland, die Zerstückelung der mit uns verbündeten Mächte und die Knechtung der Freiheit Europas und der Meere unter dasselbe Joch, das zähneknirschend jetzt Griechenland trägt.
Aber was sie in dreißig Monaten des blutigen Kampfes und des gewissenlosen Wirtschaftskrieges nicht erreichen konnten, das werden sie auch in aller Zukunft nicht vollbringen.
Unsere glorreichen Siege und die eherne Willenskraft, mit der unser kämpfendes Volk vor dem Feinde und daheim jedwede Mühsal und Not des Krieges getragen hat, bürgen dafür, daß unser geliebtes Vaterland auch fernerhin nichts zu befürchten hat.

Hellflammende Entrüstung und heiliger Zorn
werden jedes deutschen Mannes und Weibes Kraft verdoppeln,

gleichviel, ob sie dem Kampf, der Arbeit oder dem opferbereiten Dulden geweiht ist.
Der Gott, der diesen heiligen Geist der Freiheit in unseres tapferen Volkes Herz gepflanzt hat, wird uns und unseren treuen, sturmerprobten Verbündeten auch den vollen Sieg über alle feindselige Machtgier und Vernichtungswut geben.

Großes Hauptquartier, 12. Januar 1917.                 Wilhelm I.R. [Imperator Rex (lat.), Kaiser und König]

Vor dem Kriegseintritt der USA am 6. Februar 1917 scheiterte die Friedensinitiative Präsident Wilsons und der „uneingeschränkte U-Bootkrieg des Deutschen Reiches begann, auf den die Kriegserklärung der USA folgte, deren Eingreifen sich kriegsentscheidend auswirkte.

Unmittelbarer Hintergrund des Plakates ist die amerikanische Friedensinitiative von 1916, der die Mittelmächte mit einer eigenen Friedensinitiative zuvorkommen wollten. Am 12.12.1916 verlas der im Reich stark unter Druck geratenen Reichskanzler Bethmann-Hollweg das Angebot des vor dem Deutschen Reichstag. Die Vorschläge der Reichsregierung betonten ausdrücklich die Verhandlungsbereitschaft aus einer Position der Stärke heraus und bleiben vage in Bezug auf die konkreten Zugeständnisse. So stellten sie die im Septemberprogramm von 1914 beinhalteten Annexionsziele des Deutschen Reiches in keiner Weise in Frage und sahen auch keine nennenswerte Rückgabe eroberten Gebietes vor. Die Friedensinitiative wird häufig als Versuch gewertet, die noch neutralen USA möglichst aus dem Krieg herauszuhalten und den bereits geplanten, am 1.2.1917 seitens des Deutschen Reiches beginnenden, uneingeschränkten U-Bootkrieg propagandistisch vorzubereiten und mit der mangelnden Friedenswilligkeit der Entente zu begründen. Das Angebot wurde von der Entente bereits am 30.12.1916 als nicht ernst zu nehmen und auf  unzutreffenden Grundannahmen basierend abgelehnt.

Am 5.1. 1917 rief Kaiser Wilhelm II. in seiner Neujahrsbotschaft seine Truppen zu unvermindertem Kampf auf. Die Entente-Mächte unterbreiteten ihre Ziele am 10.1.1917. Frankreich wollte die Rückgabe Elsass-Lothringens; es stellte sich daneben die Zerschlagung  („écrasement“) des Deutschen Reiches vor, während Großbritannien die Wiederherstellung Belgiens forderte, daneben die deutsche „Weltmachtpolitik“ beenden wollte durch die Zerstörung der Flotte, die Aufteilung der Kolonien und die Beschränkung des deutschen Anteils am Welthandel. Auf diese Ziele der Alliierten verweist der Texts des Propagandaplakates ausdrücklich.

Das Verhältnis zu den USA wurde seitens Deutschlands durch das sogenannte Zimmermann-Telegramm an Mexiko vom 17.1.1917 stark unterminiert, das Mexiko deutsche Unterstützung gegen die USA anbot. Auch das Beharren des Deutschen Reiches auf den Einsatz von Tausenden von Belgiern als Zwangsarbeiter war ein dauerndes Thema der Auseinandersetzung neben den Angriffen der deutschen U-Boote auf amerikanische Schiffe. Mit seiner Rede vom 22.1.1917 hatte Wilson vor dem in der Mehrheit der Neutralität geneigten Kongress einen „Frieden ohne Sieg“ gefordert. Allerdings hatte er zu dem Zeitpunkt bereits die Alliierten durch Lieferungen unterstützt. Am 26.1. unterbreitete Wilson ein weiteres Angebot, das alle Kriegsführenden auf einer gemeinsamen Konferenz zu Gesprächen zusammenbringen sollte. Am 28.1.1917 lehnte die deutsche Regierung Wilsons Friedensbotschaft ab, die Entscheidung für den U-Bootkrieg war gefallen. Heeresleitung und Politiker waren überzeugt, dass ein Kriegseintritt der USA nicht kriegsentscheidend sein würde, da man meinte, die Truppentransporte kämen nicht bis Europa durch und man sei in der Lage, England bis zum Sommer mittels des Einsatzes der U-Bootwaffe zu besiegen und zum Frieden zu zwingen.

Der Hinweis auf Griechenland bezieht sich auf den Einmarsch der Alliierten 1915, der auf keine nennenswerten Widerstände des mit den Mittelmächten sympathisierenden Landes stieß, das sich  ab 1917 den Alliierten zuwandte. Der Hinweis auf den „Wirtschaftskrieg“ verweist auf die Seeblockade der englischen Home Fleet, die den Mittelmächten den Nachschub durch Importe abschnitt. Diese Blockade wurde bald „Hungerblockade“ genannt und war ein weiteres Argument für den „uneingeschränkten U-Bootkrieg“.

Symbolik: Der Adler kann als Repräsentant des Reichsadlers und damit einer Verkörperung Deutschlands gewertet werden. Dies gilt ebenso für die dargestellte Frau als Symbol der Germania, ein weit verbreitetes Symbol, das sowohl in der politischen Karikatur des 19. Jahrhunderts weit verbreitet war und sich zum Beispiel im Niederwalddenkmal bei Rüdesheim am Rhein (1871, in Gedenken an den Sieg über Frankreich) großer Popularität erfreute. In Bezug auf ein Auftreten weiblicher Verkörperung von Tugenden oder Nationen in Zeiten der Bedrohung stellt diese Figur ein typisches Gestaltungselement dar.

Bearbeitung: Heike Fiedler M.A. Archivpädagogin, mit Unterstützung von Dr. Hermann Niebuhr, Landesarchiv NRW Abteilung OWL

Link zum Angebot des Archivpädagogischen Dienstes der Abteilung Ostwestfalen-Lippe in Detmold

Weiterführende Literatur/ Internetquellen:

  • Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte 1914-1949. München 2003, S. 26-38; S. 39-47; S. 117 f.; S. 167 ff..
  • Hirschfeld, Gerhard/ Krumeich, Gerd / Renz, Irina (Hg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Paderborn, München, Wien, Zürich 2009, S. 508-512.
  • Brandt, Bettina: Germania und ihre Söhne. Repräsentation von Nation, Geschlecht und Politik in der Moderne. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2010.
  • www.dhm.de/lemo/html/1916

Die Jagd nach der Knolle. Kartoffelknappheit in Herford 1916

Während, vor allem aber zum Ende des Ersten Weltkrieges kam es zu einer enormen Nahrungsmittelknappheit, die nahezu alle Nahrungsmittel, aber auch Dünge- und Futtermittel betraf. Dies lag vor allem daran, dass der Krieg direkt zu Beginn der Erntezeit 1914 ausbrach und durch die eingezogenen Männer und die beschlagnahmten Pferde in der Landwirtschaft Arbeiter und Zugtiere fehlten, so dass die Ernteerträge rapide sanken. Durch die unerwartete Länge des Krieges und die britische Seeblockade (keine Einfuhr auf dem Seeweg mehr möglich) wurde die Nahrungsmittelknappheit immer gravierender.

Von staatlicher Seite wurde mit der Festlegung von Höchstpreisen, Zwangsbewirtschaftung und Rationierung mittels Lebensmittelkarten schon früh eingegriffen, um Preistreiberei und dem Schleichhandel vorzubeugen und eine Mindestversorgung der Bevölkerung auch in den armen Schichten der Bevölkerung zu gewährleisten. Brotgetreide wurde zuerst knapp. Um weiter Brot backen zu können, wurde das sogenannte „K-Brot“ (Kriegsbrot) eingeführt, das einen Anteil von bis zu 30% Kartoffel als Ersatzstoff enthalten durfte und zu dessen Verzehr in den Zeitungen aufgerufen wurde.

Abb.1_HK_1914.12.05_Haushaltung_Lebensmittel_neu

Aufruf aus dem Herforder Kreisblatt vom 05.12.1914 zum Essen von K-Brot und zur Sparsamkeit im Umgang mit Nahrungsmitteln (Kommunalarchiv Herford, Stadtarchiv Herford, Zeitungssammlung)

In einem Zeitungsaufruf im Herforder Kreisblatt vom Dezember 1914 wurde z. B. sehr eindringlich dazu aufgerufen, mit den Nahrungsmitteln gut hauszuhalten und nichts zu vergeuden, gleichzeitig aber auch gesagt, dass wenn alle sparsam mit den Lebensmitteln umgehen und ‚K-Brot’ essen, es zu keinerlei Versorgungsproblemen kommen wird.

Aufruf aus dem Herforder Kreisblatt vom 05.12.1914 zum Essen von K-Brot und zur Sparsamkeit im Umgang mit Nahrungsmitteln:

Haltet haus mit den Nahrungsmitteln!
Deutschland steht gegen eine Welt von
Feinden, die es vernichten wollen. Es wird ihnen nicht
gelingen, unsere herrlichen Truppen niederzuringen, aber
sie wollen uns wie eine belagerte Festung aushungern.
Auch das wird ihnen nicht glücken, denn wir haben genug
Brotkorn im Lande, um unsere Bevölkerung bis zur nächsten
Ernte zu ernähren. Nur darf nicht vergeudet werden und die
Brotfrucht nicht an das Vieh verfüttert werden.
Haltet darum haus mit dem Brot, damit die Hoffnungen
unserer Feinde zuschanden werden.
Seid ehrerbietig gegen das tägliche Brot, dann werdet
Ihr es immer haben, mag der Krieg noch so lange dauern.
Erzieht dazu auch Eure Kinder.
Verachtet kein Stück Brot, weil es nicht mehr frisch ist.
Schneidet kein Stück Brot mehr ab, als Ihr essen wollt.
Denkt immer an unsere Soldaten im Felde, die oft aus vor-
geschobenen Posten glücklich wären, wenn sie das Brot hät-
ten, das Ihr verschwendet.
Eßt Kriegsbrot; es ist durch den Buchstaben K kennt-
lich. Es sättigt und nährt ebenso gut wie anderes. Wenn
alle es essen, brauchen wir nicht in Sorge zu sein, ob wir
immer Brot haben werden.
Wer die Kartoffel erst schält und dann kocht, vergeudet
viel. Kocht darum die Kartoffeln in der Schale, Ihr spart dadurch.
Abfälle von Kartoffeln, Fleisch, Gemüse, die Ihr nicht
verwerten könnt, werft nicht fort, sondern sammelt sie als
Futter für das Vieh, sie werden gern von den Landwirten
geholt werden.

Da die Kartoffel nun zu den wichtigsten Nahrungsmitteln zählte, wurde, um die Kartoffelversorgung zu sichern, außerdem die Schlachtung von ca. 1/3 des gesamten Schweinebestandes angeordnet, da diese zuvor die Kartoffeln als Futtermittel bekommen hatten, was später zu einer Lücke in der Fettversorgung führen sollte.

Trotzdem wurden im Verlauf des Krieges Kartoffeln (vor allem wegen der mageren Ernten) immer knapper bis im sogenannten ‚Kohlrübenwinter’ 1916/17 statt Kartoffeln fast nur noch Kohlrüben (Steckrüben) als Ersatzstoff ausgegeben wurden.

Verständlicherweise war die Freude über Kartoffellieferungen bei der Bevölkerung, aber auch bei den Gemeindeverwaltungen z. B. zur Versorgung der häufig eingerichteten Kriegsküchen immer sehr groß. In Herford wurden größere Kartoffellieferungen in den Zeitungen angekündigt und konnten dann direkt am staatlichen Güterbahnhof Herford abgeholt werden.

Abb.2_HK_1916.07.31_Kartoffelabholung_Güterbahnhof_neu

Bekanntmachung aus dem Herforder Kreisblatt vom 31.07.1916 über den Kartoffelverkauf am Güterbahnhof der Staatsbahn in Herford (Kommunalarchiv Herford, Stadtarchiv Herford, Slg. E450)

Kartoffeln
Heute nachmittag von 4-7 Uhr und Dienstag vor-
mittag von 7-10 Uhr werden auf dem Güterbahnhof der
Staatsbahn Kartoffeln an jedermann verkauft.
Ein Pfund kostet 11 Pfg, bei Abgabe von einem Zent-
ner und mehr 10 ½ Pfg.
An Wiederverkäufer werden die Kartoffeln mit 10 Mark
für einen Zentner abgegeben.
Herford, den 31. Juli 1916.
Der Magistrat

Es herrschte dann ein großer Andrang am Güterbahnhof und zum Transport der Kartoffeln kamen Karren, Körbe, aber auch Kinderwägen zum Einsatz.

Abb.3_Gummich Kartoffelausgabe 1916 Güterbahnhof

Foto von der Kartoffelausgabe am Güterbahnhof der Staatsbahn in Herford 1916

(Saskia Bruns, Stadtarchiv Herford)

Signatur: Kommunalarchiv Herford, Stadtarchiv Herford, Zeitungssammlung; Kommunalarchiv Herford, Stadtarchiv Herford, Slg. E450

Heimatgrüße der Kirchengemeinde Lüdenhausen, Pfingsten 1916

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„Schütz Dich Gott!“ Heimatgrüße für die Soldaten der Gemeinde Lüdenhausen in Lippe, Pfingsten 1916 (Ausschnitt)

Eine dringende und herzliche Bitte:
Heinrich Hägers Tod wirkte um so niederschmetternder, weil der Brief ohne jede Vorbereitung in Frau Hägers Hand fiel. Ich bitte Euch alle inständig, dafür zu sorgen, daß mir sofort und mir allein die Nachricht zukommt, falls euch etwas zustößt. Für mich ist das wohl eine schwere Last, doch will ich sie gern für Euch tragen. Auch noch aus einem anderen Grunde: seht, weiß die Gemeinde, daß ich sofort aus dem Felde benachrichtigt werde, so kann kein törichtes Gerede aufkommen, die Ruhe und Sicherheit wird bewahrt, und die haben wir nötig. Denkt daran und handelt danach.

Download der Ausgabe Pfingsten 1916

Signatur: Landeskirchliches Archiv Detmold, Archiv der Kirchengemeinde Lüdenhausen