Familienalbum – Bilder und Feldpost aus unruhigen Zeiten

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Das Genre „Feldpost“ umfasst Briefe und offene Mitteilungen auf illustrierten Ansichtskarten oder Fotos. Sie konnten portofrei verschickt werden. Erst 1870 sind Postkarten in Deutschland offiziell eingeführt worden. Die Postkarte wurde – bis zur Einführung der SMS – zum wichtigsten Medium für Kurzmitteilungen privater Natur, insbesondere für Glückwünsche, Urlaubsgrüße und nicht zuletzt für Lebenszeichen aus dem Kriege. Schon während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 erfuhr die erstmalige Verwendung von Postkarten eine große Resonanz: Im zweiten Halbjahr 1870 wurden rund 10 Millionen „Feldpost-Correspondenzkarten“ in die Heimat verschickt.

Während des Ersten Weltkriegs wurden von 1914 bis 1918 rund 28,7 Milliarden Briefe und Karten von der Feldpost befördert. „Diese Nachrichten von der Front galten als authentisches Zeugnis vom Kriegsalltag und standen oft in krassem Gegensatz zu den Heeresberichten und der offiziellen Propaganda“ [DHM]. Aus Platzgründen waren die Feldpostkarten im Gegensatz zu den ausführlichen Feldpostbriefen tatsächlich oft nur Lebenszeichen, auf denen sich vielfach fast formelhaft der Passus wiederfindet: „Mir geht es noch gut!“ Es gab Feldpostkarten mit individuellen Fotografien aus dem Regiment des schreibenden Soldaten, aber auch zahllose Karten-Serien mit einer großen motivischen Bandbreite: von martialischer Kriegspropaganda bis hin zu frommen Bibelsprüchen.

In vielen Familien existieren bis heute Feldpost-Sammlungen aus dem Ersten und aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Umfang der Korrespondenz zwischen Front und Heimat ist meist beeindruckend, ebenso wie die Inhalte, die eine Alltagsgeschichte des Krieges vermitteln.

Die für das Projekt „OWL  und der Erste Weltkrieg 1914-1918“ genutzte Feldpostkartensammlung stammt von Martin Hülsenbeck aus Bielefeld. Er legte vier Alben mit mehreren Hundert Karten aus Familienbesitz aus den Jahren von 1906 bis 1959 an. Die Karten helfen, ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte als Familiengeschehen nachzuzeichnen. Einige Karten werden sukzessive online gestellt und transkribiert. Die Vorfahren von Martin Hülsenbeck lebten in Westfalen und Hessen, konkret: in Hamm und Kassel und manchen anderen Orten.

Hülsenbecks Großvater Philipp Mergard stammte aus Burguffeln, einem kleinen Dorf in der Nähe von Hofgeismar, wo er am 7. Juni 1882 als Sohn eines Tagelöhners geboren worden war. Der gelernte Lackierer heiratete am 27. April 1911 in Hamm die dort am 6. Oktober 1889 geborene Sophie Lütgebaucks. Am 13. März 1912 wurde in Hamm ihre Tochter Helene geboren, die Mutter von Martin Hülsenbeck. Am 23. August 1914, also kurz nach Kriegsbeginn, wurde die zweite Tochter, Hanna, geboren, ebenfalls in Hamm.

Während des Ersten Weltkrieges war Philipp Mergard bei der Reichsbahn stationiert, vor allem auf der Strecke Hamm-Duisburg. Nach dem Krieg war er bei der Westfälischen Drahtindustrie in Hamm beschäfigt. 1931 ist er gestorben. – Der in einigen Postkarten vorkommende Karl Lütgebaucks war der ältere Bruder von Sophie Lütgebaucks. Er ist 1915 gefallen.

Bei den Postkarten von Martin Hülsenbecks Großeltern- und Elterngeneration handelt es sich nur teilweise um Quellen zur OWL-Geschichte, so z.B. bei jenen aus dem Sennelager bei Paderborn. Viele andere Karten stammen von den Fronten, vor allem im Westen, aber auch im Osten. Sofern ihre Motivik typisch für das Kriegsgeschehen ist, werden auch sie für das vorliegende Projekt genutzt.

Quelle: Private Fotosammlung Martin Hülsenbeck (Bielefeld), Album 1-4.

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