Ausstellung zur Reichspogromnacht in Ostwestfalen-Lippe am 9.11.1938

reichspogromnachtNeue Impulse für die Erinnerungskultur und die Gedenkarbeit in Ostwestfalen-Lippe bietet ein 2008 gestartetes gemeinsames Ausstellungsprojekt des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen Staats- und Personenstandsarchiv Detmold im Verbund mit kommunalen und kirchlichen Archiven der Region: 9.11.1938 – Reichspogromnacht in Ostwestfalen-Lippe.

Der 9. November ist ein Schicksalsdatum der deutschen Geschichte. 2008 jährte sich zum 70. Mal die Reichspogromnacht. Das Jahr 1938 markiert einen Wendepunkt des Antisemitismus in Deutschland während der NS-Zeit: Den Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung der deutschen Juden hin zur systematischen Verfolgung, die in den Holocaust mündete. Seit der Jahreswende 1937/38 erreichten die Verfolgungsmaßnahmen vor dem Hintergrund einer ungesicherten Finanzierung der Aufrüstung für den Krieg neue Dimensionen.

Den Israelitischen Kultusgemeinden erkannte man den Status von Körperschaften des öffentlichen Rechts ab, Juden wurden zur Offenlegung ihres Vermögens gegenüber dem Finanzamt gesetzlich verpflichtet, Kennkarten und gesondert gekennzeichnete Ausweispapiere für Juden verbindlich eingeführt, Konzentrationslager ausgebaut und erste Massenabschiebungen durchgeführt.

In dieser Situation nutzte das Regime propagandistisch das Attentat eines polnischen Juden auf den Legationsrat vom Rath in Paris zum notdürftig als „Ausbruch des spontanen Volkszorns“ kaschierten, tatsächlich längst für Mitte November geplanten Schlag gegen die jüdische Bevölkerung und deren Eigentum. Die Welle der Plünderung und Zerstörung von Synagogen, der Konfiszierung und weitgehenden Vernichtung des Inventars, der Schändung jüdischer Friedhöfe, der Verwüstung jüdischer Gemeinde-, Geschäfts- und Privathäuser, der Inhaftierung und der Deportation in Konzentrationslager, der Misshandlungen bis hin zu Ermordungen erreichte am 9. und 10. November 1938 ihren Höhepunkt.

In unmittelbarer Folge zu den Ereignissen stieg die Zahl der Vertreibungen und Auswanderungen sprunghaft an, wurden Ghettohäuser („Judenhäuser“) eingerichtet, jüdische Schüler der öffentlichen Schulen verwiesen und die Juden schließlich noch systematisch zur finanziellen „Sühne“ für die ihnen zugefügten Sach- und Versicherungsschäden herangezogen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Ereignisse, Täter und Opfer der Novemberpogrome in Ostwestfalen-Lippe, eingebettet in das Geschehen des „Wendejahrs 1938“ und mit Ausblicken auf die Aufarbeitung der Reichspogromnacht nach 1945 durch die bundesdeutsche Justiz, durch Gedenkstättenarbeit und Erinnerungskultur sowie auf moderne Formen des Antisemitismus.

Zur Ausstellung, die von Dr. Johannes Kistenich (Detmold) kuratiert wurde, erschien eine Broschüre zum Preis von 4 Euro.

Ausstellungsorte waren:

8. Februar bis 14. März 2008
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen
Staats- und Personenstandsarchiv Detmold

25. April – 16. Mai 2008
Minden, Kommunalarchiv

2.-27. Juni 2008
Paderborn, Kreishaus

16. August – 4. Oktober 2008
Herford, Gedenkstätte Zellentrakt

15. Oktober – 12. Dezember 2008
Bielefeld, Institut Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek

15. Januar – 15. März 2009
Bad Salzuflen, Stadt- und Bädermuseum

20. April – 8. Mai 2009
Salzkotten, Rathaus

19. August – 9. Oktober 2009
Stemwede, Rathaus und Begegnungsstätte

29. Oktober – 18. Dezember 2009
Gütersloh, Kreishaus

16. Januar – 14. Februar 2010
Lemgo, Stadtarchiv und Städtisches Museum Hexenbürgermeisterhaus

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