Aus der „Kriegschronik“ des Rettungshauses Schildesche, 14.7.1917

Heute wurde auch Hausvater Schein aus unserem Johanneshof zum Heer einberufen, leider gerade einen Tag vor unserem Jahresfest und unmittelbar vor dem Beginn der Roggenernte. […]

Quelle: Aus der „Kriegschronik“ des Rettungshauses Schildesche, von Anstaltsleiter Pastor Paul Bellingrodt (1875-1951)

Signatur: Archiv des Ev. Johanneswerks, Re/Schild – 5

Aus der „Kriegschronik“ des Rettungshauses Schildesche, 20.6.1917

Am 20. Juni 1917 wurde auch unser erster Lehrer, Herr Weißenbach, zum Heer einberufen. Wie schon vor mehr als Jahresfrist die Frau unseres Hausvaters Akolk, so übernahm nun auch Frau Lehrer Rüter eine Anzahl Stunden in unserer Rettungshausschule. […]

Quelle: Aus der „Kriegschronik“ des Rettungshauses Schildesche, von Anstaltsleiter Pastor Paul Bellingrodt (1875-1951)

Signatur: Archiv des Ev. Johanneswerks, Re/Schild – 5

Aus der „Kriegschronik“ des Rettungshauses Schildesche, 1916

Nachdem Anfang März unser Lehrer Rubbe bis auf weiteres aus dem Heeresdienst beurlaubt war und seine Arbeit wieder aufgenommen hatte, wurde Ende Mai Lehrer Gerbig eingezogen, wegen eines chronischen Darmleidens aber am 18. August [1916] wieder entlassen. […]

Quelle: Aus der „Kriegschronik“ des Rettungshauses Schildesche, von Anstaltsleiter Pastor Paul Bellingrodt (1875-1951)

Signatur: Archiv des Ev. Johanneswerks, Re/Schild – 5

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Hartmann (Rödinghausen), 1.5.1916

Die „Sommerzeit“ beginnt mit einem strahlenden Maitag. Der Roggen steht dicht vor den Ähren, vereinzelt werden sie schon da sein. Am Hause blüht die Glycinie; der Weinstock treibt Blätter. Am Nachmittage arbeiten wir bis zur Erschöpfung im Garten. Das Land ist so steif. Und man kann ja keine Arbeitskräfte mehr haben. Heute Nacht rücken wieder eine Anzahl aus z.B. der Postbote Wübker. Auch der Sohn des verstorb[enen] Postboten Krämer muß eintreten! Im Anschlag-Kasten warnt der Ehrenamtmann vor Verkehr mit Kriegsgefangenen zur Vermeidung strenger Bestrafung.

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Ernst Hartmann, Kirchengemeinde Rödinghausen, S. 86/01.05.1916

Signatur: LkA EKvW Best. 4.31 Abt. B HS 2 (Quelle); LkA EKvW W 15193 (Transkription)

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Hartmann (Rödinghausen), 3.3.1916

Strahlendes Wetter nach leichtem Nachtfrost. Ich stelle fest, daß ich in der Lage bin an Kriegsanleihe zu zeichnen 1. Stiftung 3.000 M[ark] 2. Roland 800 M[ark]. 3. Ich 1.000 M[ark]. Besuch von Vogtschmidt Westk[ilver], der einen Taufschein für seinen Sohn Heinrich holt, der auf Wangerooge heiraten will. Beerdigung des durch Verbrennung (heiße Milch) versehrten & dann gest[orbenen] Kindes Dettmer. Der Kriegsgefangene (Pole) [Name], Arbeiter bei Col[on] Grothaus, trug den Sarg mit zu Grabe. – H[er]r Wegener, der auch einen Einberufungsbefehl erhalten hatte, ist telegrafisch wieder freigegeben. – Eine Karte von Heini Lampe und Mar[ine-]Pf[arre]r Müller aus dem Schwarzen Meer.

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Ernst Hartmann, Kirchengemeinde Rödinghausen, S. 80/03.03.1916

Signatur: LkA EKvW Best. 4.31 Abt. B HS 2 (Quelle); LkA EKvW W 15193 (Transkription)

Aus der „Kriegschronik“ des Rettungshauses Schildesche, 26.10.1915

Am 26. Okt. 1915 wurde der vierte unserer Lehrer, Herr August Grote, zum Kriegsdienst eingezogen und trat in das Jägerbataillon 14 zu Heidelberg ein.

Quelle: Aus der „Kriegschronik“ des Rettungshauses Schildesche, von Anstaltsleiter Pastor Paul Bellingrodt (1875-1951).

Signatur: Archiv des Ev. Johanneswerks, Re/Schild – 5

Feldpost des Hilfspredigers Paul Waltking, 24.1.1915

Paul Waltking wurde am 20. Januar 1889 als ältester Sohn eines Lehrers und seiner Frau in Hahlen bei Minden geboren. Heute ein Stadtteil von Minden, war Hahlen bis zur Gebietsreform 1973 eine selbstständige Gemeinde. 1894 zog die Familie nach Minden um, da Pauls Vater an die dortige Bürgerschule II versetzt worden war. An ebendieser Schule begann im Folgejahr Paul Waltkings Schullaufbahn, die ihn im Anschluss an die Mittelschule und schließlich an das Königliche Gymnasium in Minden führte, wo er im Herbst 1908 das Abitur bestand.

Im Wintersemester 1908/1909 begann er in Heidelberg das Studium der Evangelischen Theologie. Die folgenden sieben Semester führten ihn nach Heidelberg, Göttingen und Halle. Im Herbst 1912 meldete er sich in Münster zum 1. theologischen Examen; er trat jedoch von der Examensprüfung zurück, nachdem die schriftlichen Prüfungsarbeiten sehr schlecht ausgefallen waren. Dem Rat des Generalsuperintendenten folgend, zunächst das wissenschaftliche Arbeiten zu erlernen, entschied sich Paul Waltking gegen einen direkten erneuten Versuch. Er besuchte zur Überbrückung im Sommersemester 1913 die Theologische Schule in Bethel, um sich dort auf das bevorstehende Examen vorzubereiten. Nach erfolgreichem Abschluss Ostern 1914 trat der mittlerweile Fünfundzwanzigjährige in der evangelischen Kirchengemeinde Buer-Erle in Westfalen eine Hilfspredigerstelle an.

Anfang Dezember 1914 wurde Paul Waltking als Einjährig-Freiwilliger eingezogen und kehrte für die Ausbildung beim Rekruten-Depot des Westfälischen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 22 in seine Heimatstadt Minden zurück. Zum Richtkanonier ausgebildet, wurde er im März 1915 noch für sieben Wochen ins brandenburgische Städtchen Jüterbog geschickt, wo sich eine Artillerieschule befand. Anschließend erfolgte der von ihm ersehnte Marschbefehl und die Abfahrt mit dem Zug in Richtung Westfront. Vier Kilometer hinter der belgischen Stadt Ypern tat er zunächst Dienst an der Ballonabwehrkanone, die gegnerische Fesselballone und Luftschiffe (Zeppeline) zum Ziel hatte. Da er hier jedoch nur Hilfsdienste ausüben durfte und eine Beförderung ausblieb, meldete er sich – ebenso wie die übrigen „Einjährigen“ – freiwillig für einen Wechsel zur Infanterie, da ihnen dort ein baldiger Aufstieg in den Offiziersrang in Aussicht gestellt worden war. Waltking und seine Kameraden wurden daraufhin in Gent als Offiziers-Aspiranten ausgebildet. Anstatt zur Kriegsschule in Roulers wurden sie jedoch als Infanteristen an die vordersten Linien der Front geschickt, wo Paul Waltking nach wenigen Tagen, am 21. Juli 1915, in einem Schützengraben nördlich von Ypern nach einem Schuss ins Herz starb. Sein Leichnam wurde in einem Einzelgrab bestattet.

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Minden Westf. 24.1. 15.

Sehr geehrter Herr Pastor!

Nachdem ich 7 Monate lang in Buer (Westf.)-Erle die Hilfspredigerstelle innegehabt habe, ist endlich Anfang Dezember [1914] mein sehnlicher Wunsch in Erfüllung gegangen, dem Vaterlande auch mit der Waffe in der Hand dienen zu dürfen. Ich bin eingezogen worden und werde ausgebildet beim 3. Rekr[uten]-Depot F[eld-]A[rtillerie-]R[egiment] 22 in meiner Heimatstadt Minden. Auf der Weihnachtsfeier des Depots habe ich auf Wunsch des Vorgesetzten eine Ansprache halten dürfen. Meine Ausbildung als Richtkanonier ist nahezu beendet. In den nächsten Wochen hoffe ich ins Feld rücken zu dürfen.
Mit Gott!
Ergebenst Paul Waltking.

Signatur: LkA EKvW Best. 13.99 (Waltking)