Gedenkblatt „Dem Gedächtnis unserer gefallenen Kameraden“, 1926

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Dem Gedächtnis unserer gefallenen Kameraden

Ring der Flieger e.V. 1914-1918 Ortsgruppe Bielefeld

Bei dem großformatigen Gedenkblatt handelt es sich um den Druck einer Radierung des Malers und Graphikers Karl Bloßfeld (1892-1975) aus dem Jahr 1926. Die Familie Kisker in Bielefeld erhielt dieses Blatt im Gedenken an ihren 1916 gefallenen Sohn und Flieger Rudolf Kisker.

Signatur: Privatarchiv Familie Kisker, Ger.Pl. Nr. 3

Einweihung des Denkmals „Verwundeter“ auf dem Bielefelder Johannisberg

Das Denkmal „Verwundeter“, das sich auf dem Bielefelder Johannisberg befindet, geht auf eine im Jahr 1920 erfolgte Stiftung des Bielefelder Textilunternehmers und Leinenfabrikanten Georg Kisker (1862-1948) zurück. Vier Jahre zuvor, am 29. Juli 1916, war sein zweitältester Sohn Rudolf im Luftkampf bei Ypern gefallen. Für ihn und alle anderen Soldaten, die im Weltkrieg den „Heldentod fürs Vaterland“ gestorben waren, sollte ein „Kriegerehrenmal“ errichtet werden. Den Auftrag für das Werk bekam der in Bad Kreuznach geborene Künstler Emil Cauer d. J., der einer Bildhauer-Dynastie entstammte und in Berlin ansässig war.

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Abb.: Fotos vom Denkmal „Verwundeter“ auf dem Bielefelder Johannisberg, 2015 (Fotos: Eva-Maria Hartmann)

Am 26. November 1922, einem Totensonntag, fand die feierliche Einweihung des Denkmals statt. Der Aufstellungsort auf dem Johannisberg wurde von der Bielefelder Schützengesellschaft zur Verfügung gestellt, deren nahe gelegenes Schützenhaus im Krieg als Militärlazarett verwendet worden war.

Das Thema der Kriegsverletzung wird motivisch von Cauers Denkmal aufgegriffen: Es stellt einen knienden Soldaten dar, der am Kopf verletzt wurde und sich selbst einen Verband anlegt. Durch seine Verwundung wird der Soldat zwar beeinträchtigt, er ist jedoch weiterhin kampfbereit und keineswegs besiegt. Diese Aussage des Denkmals lässt sich als Bereitschaft zur Revision der Niederlage im Ersten Weltkrieg deuten.

Im Unterschied zum Original, das im rheinland-pfälzischen Bad Sobernheim vor dem Rathaus steht und aus Bronze gefertigt ist, besteht die Bielefelder Skulptur aus Muschelkalk- aus dem gleichen Material wie der Johannisberg – und ist etwas kleiner.

Zur Zeit des Nationalsozialismus fanden an dem Kriegerdenkmal Heldengedenkfeiern statt.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat der „Verwundete“ wechselvolle Zeiten hinter sich. Durch eine Ergänzung der Sockelinschrift im Jahr 1955 wurde das Andenken auf die Gefallenen der Jahre 1939 bis 1945 erweitert. Die Skulptur wurde wiederholt beschädigt: Unter anderem wurden der Kopf und die Hände bzw. Arme des Soldaten mehrfach von Unbekannten entfernt. Zu einer „Köpfung“ des Soldaten bekannte sich im Jahr 1995 eine „Antifaschistische Einheit Eberhard Arnold“ (Neue Westfälische vom 1.2. 1995).

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Abb.: Gipsabdruck des Kopfes (Foto: Eva-Maria Hartmann)

Die jüngste, erstmals originalgetreue Restaurierung des Denkmals wurde von dem Bielefelder Bildhauer Christian Stiesch im Jahr 2011 durchgeführt. Diese fachgerechten Arbeiten sowie eine Versetzung des Denkmals an seinen jetzigen, mittlerweile dritten Standort auf dem Johannisberg wurden von Wilken Kisker, dem Urenkel des Stifters, finanziert. Dieser hatte sich eingeschaltet, nachdem die Skulptur im Rahmen der Umgestaltung des Johannisbergs an eine denkbar ungeeignete Stelle versetzt worden war: an die Straße zum Hotel „Park Inn“, direkt vor dem Werbeschild des Hotels. Die Stadt Bielefeld zeigte sich gesprächsbereit und der „Verwundete“ konnte nach der Restaurierung an seinem heutigen Standort auf einer Wiese an der „Roteichen-Allee“ aufgestellt werden.

Im März 2015 wurde dort eine Pulttafel installiert, auf der sich Interessierte über die Denkmalgeschichte informieren können. Die Tafel gehört zu einem neuen Informationssystem, das an zentralen Stationen an die Geschichte der Parkanlagen auf dem Johannisberg erinnern soll.

(Eva-Maria Hartmann, Privatarchiv Familie Kisker, Bielefeld)

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Hartmann (Rödinghausen), 9.11.1918

Ein heller Herbsttag. Auf der Post erfahre ich, daß heute keine Post ankommt. Und Clara, die nach Bremen ihre Reise abtelegrafiert, hört weiter, daß heute und morgen überhaupt keine Züge verkehren. So scheint man sich doch zu Maßregeln aufgerafft zu haben. Ich bespreche mit den Konfirmanden die Lage und daß, wenn nichts mehr zu verlieren ist, der christliche Glaube seine strahlendste Macht beweist. Wir sangen 332 Unter Jesu Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei und 502 Stark ist meines Jesu Hand.
Nachmittags nach Bieren zur Beerdigung von Lina Klusmann. Röm[er] 6. Ich höre, daß die Güterzüge noch fahren. (Von der Beerdigung zu Maschmann auf d[urch] Arrode. Der Sohn hat Lungenentzündung. Der Vater hat in Bonn im Lazarett gelegen und den Fliegerangriff miterlebt, jetzt ist er in Urlaub.) Frau Gronenberg erzählt, daß sie tags zuvor in Bielefeld gewesen sei und wegen der nicht fahrenden Züge schon Unterkunft im Vereinshause gesucht habe. Dann aber ist doch ein Zug noch gefahren. Die ankommenden Züge seien von Soldaten mit angelegtem Gewehr erwartet; auch seien Maschinengewehre aufgestellt gewesen. Vor dem Bahnhofe hatten Arbeiterscharen gelungert, die viele Kinder bei sich gehabt hätten; vielleicht um d[ie] Soldaten zu hindern, auf sie zu schießen. Von Maschmann zu Schulz und Füller. Dann heim. Beim Schwenningdorfer Spritzenhause sehe ich im Halbdunkel einen Haufen Männer stehen. Ich erkenne dann den Amtm[ann] in ihrer Mitte, der eine Ansprache hält und höre eben das Wort „Besonnenheit“. Endlich zu Frau Bäunker, die in eine Anstalt muß, da sie die Nachtruhe der Familie stört.

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Ernst Hartmann, Kirchengemeinde Rödinghausen, S. 229/09.11.1918

Signatur: LkA EKvW Best. 4.31 Abt. B HS 2 (Quelle); LkA EKvW W 15193 (Transkription)

Plakat „Deutschlands Schicksal […]“

Belgien

„Deutschlands Schicksal in einem zukünftigen Krieg wenn Belgien die Basis englischer Luftangriffe ist!“, Plakat, ca. 1917
Ostwestfalen-Lippe würde sich nach dieser Skizze in einer vermeintlichen „Zone der Verwüstung“ befinden.

Plakat: Hermann Bergmann, Berlin; Rechteinhaber unbekannt (Hinweise zum Urheberrecht bitte an webmaster@archive-owl.de)

Signatur: LkA EKvW 4.256 Nr. 415

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Hartmann (Rödinghausen), 29.8.1916

Konf[irmanden-]Unterricht. Ich weise auf den großen Ernste der Lage unsers Vaterlandes hin. Und leider ist das  nur zu berechtigt. Es wird aller Verkauf von Steinöl verboten!! Ob die Flieger & die U. Boote genug haben? Wie wir auskommen sollen ohne Steinöl weiß ich nicht. – Gott seis befohlen!

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Ernst Hartmann, Kirchengemeinde Rödinghausen, S. 108-109/29.08.1916

Signatur: LkA EKvW Best. 4.31 Abt. B HS 2 (Quelle); LkA EKvW W 15193 (Transkription)

Beerdigungsansprache zum Tode von Flieger Rudolf Kisker, 1916

Trauerbrief und Beerdigungsansprache des Bielefelder Superintendenten und Pfarrers der Evangelischen Altstadt-Nicolaikirchengemeinde, Friedrich Lappe (1845-1928), anlässlich des Todes von Flieger Rudolf Kisker 1916.

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Kolberg, 23. Aug[ust] 1916

Sehr geehrte Frau Kisker!
Anbei überreiche ich Ihnen die von
mir am Sarge Ihres tapferen
Rudolf gehaltene Gedächtnisrede.
Von kleinen Abweichungen abgesehen,
die bei der freien Rede vorkommen,
ist die Rede wortgetreu wiederge-
geben. Möge die Abschrift Ihr und
der Ihrigen Herzen trösten und stärken,
wie es auch meine Absicht war, als
ich die Rede hielt.
Verzeihen Sie, daß ich die Abschrift
erst jetzt sende. Ihr Herr Pfarrer
mußte mir zuvor das Concept
senden, und dann pflegt man
[2] im Urlaub nicht sehr eilig mit
den Pflichten zu sein.
Herzlichste Grüße von meiner
Frau und Ihnen ergeben treu

Lappe

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Rede am Sarge des am 29. Juli 1916 im Luftkampf gefallenen Leutnants d. R. Rudolf Kisker, gehalten am 4. August 1916 bei seiner Beisetzung in der Kapelle des Sennefriedhofs von Superintendent Lappe in Bielefeld.

Teure Leidtragende! Ungeheuer sind die Verluste, die dieser fürchterliche Krieg uns kostet. Die Blüte unserer Jugend, die Fülle unserer männlichen Volkskraft steht draußen im blutigen Ringen mit dem Feind, der Millionen über Millionen aller Länder und Rassen gegen die deutsche Wehrkraft anstürmen lässt. Hunderttausende jugendfrischer, lebensvoller, zukunftskräftiger Söhne Deutschlands sind schon gefallen. Große Erwartungen und Aussichten sind zu Grabe getragen, wertvolle, unersetzliche Glieder unseres Volkes uns entrissen. Mit heiligem Ingrimm und tiefer Trauer sehen wir von Tag zu Tag die Verluste sich häufen und den Strom von Blut und Tränen höher steigen. Wir klagen und klagen an die Urheber dieser unabsehbaren Verwüstung.
Zwar ist in den zwei hinter uns liegenden Jahren

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des Weltkriegs der Tod uns mehr und mehr das alltägliche Erlebnis geworden, aber wir können und sollen uns nicht an ihn gewöhnen, denn seine Schatten umnachten unser Glück, und seine Schauer zittern in unseren Gliedern. Das empfinden wir allemal, wenn des Krieges rauhe Hand ein junges hoffnungsvolles Leben, das uns nahestand, plötzlich ausgelöscht hat, das empfinden wir jetzt an dem Sarge des jungen Helden, dessen sterblich Teil in der heimischen Erde, für die er mit begeisterter Hingabe stritt, gebettet werden soll.
Doch zum Klagen sind wir nicht hier, das hilft uns nichts. Wir wollen uns vielmehr zu schicken suchen in die schweren Opfer, die nach Gottes hohem Rat von unserm gesammeten Volke, aus seinen Hütten und Palästen, gefordert werden. Darum möchte ich euch Leidtragende, insonderheit euch Eltern, Geschwistern und Anverwandten das uralte Grabbekenntnis ins Herz senken:
„Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gelobet!“ (Hiob 1,21)

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Der Herr hat es gegeben. Daß Kinder eine Gabe Gottes sind, das habt ihr, teure Eltern, wohl nie so lebhaft empfunden als in diesen Tagen, als in dieser Stunde. Es ist doch der schönste Garten, der euch in euren sechs Kindern erblüht ist. Freilich auch solch ein Garten bedarf der Pflege, der Aufsicht, der Arbeit. Aber ihr saht eure Kinder sich entfalten, ein jedes in seiner Art, und unter ihnen euren geliebten Rudolf. Ihr habt euch gefreut an der Offenheit Gradheit und Aufrichtigkeit seines Charakters. Ihr saht ihn immer mehr in das Leben und seine Aufgaben hineinwachsen. Ihr billigtet, dass er sich den uralten Beruf des Landwirts erwählte. Es war euch eine Freude zu sehen, wie er sich allerwärts in Menschen und Verhältnisse zu finden wußte. Es erquickte euch, zu vernehmen, dass die, deren Leitung er anvertraut war, ihn liebten und schätzten fast wie ein eigenes Kind. Da begann der Weltkrieg. Es verstand sich von selbst, dass er, der bereits des Königs Rock getragen, sofort zu den Fahnen eilte. Er tat seinen Dienst im Westen und im Osten an der Front und in der alten Garnison. Dann meldete er sich zu der Waffe, zu der ihn besondere Begabung und Neigung zog. Er wurde Flieger und ward eingereiht in die

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Schaar derer, die wir wegen ihres Wagemuts, ihrer Kaltblütigkeit, ihrer Entschlossenheit und ihrer Umsicht bewundern. Wie viele für die Heeresleitung wichtige aufklärende Flüge mag er vollführt haben! Wie oft ist er den spähenden Augen und den todbringenden Kugeln des Feindes glücklich entgangen! Für sein tapferes Verhalten zierte seine Brust das Eiserne Kreuz zweiter und erster Klasse. Ihr, teure Leidtragende, blicktet mit berechtigtem Stolze auf diesen Sohn, diesen Bruder.
Da kam der 29. Juli. Er geriet bei einem Aufstieg mit seinem Beobachter, wie es scheint, unversehends in einen Luftkampf gegen feindliche Uebermacht, gegen acht Luftfahrzeuge. Die feindlichen Kugeln verfehlten diesmal ihr Ziel nicht, sie löschten zwei junge deutsche Heldenleben aus.
Sobald aber ein Herz draußen auf der Walstatt aufhört zu schlagen, fangen viele in der Heimat an zu bluten.
Und so breitet sich von Ost und West schon unabsehbares, namenloses Leid über unser junges Volk aus. Unzählige tragen schwer an dem unsichtbaren Eisernen Kreuz, das ihnen der grausige Weltkrieg auferlegt hat, und werden

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es tragen ihr Leben lang.
Doch die ihr im Blick auf die teuren Lebensgüter, die euch in euren Söhnen, Brüdern, Gatten und Vätern gegeben sind, dankbar sprechen dürft: „Der Herr hat’s gegeben“, dürft ihr nicht nun auch im Blick auf die Vollendeten getröstet sprechen: „Der Herr hat’s genommen“? Denn das ist mir ganz gewiß, dass in diesen gewaltigen Geschehnissen Gott der Herr handelt, und dass die Menschen darin seine Werkzeuge sein müssen.
Gott hat uns Vaterland und Volkstum gegeben, und wir Deutschen sollen jetzt im blutigsten aller Kriege es beweisen, daß es uns das wertvollste irdische Gut ist, für das die größten Opfer zu bringen wir fähig sind. Der Tod für das Vaterland ist dem Vaterlandsfreund kein widerstrebendes Erleiden und Erliegen, Vergehen und Verwerfen, sondern ein freiwilliges, rückhaltloses Einsetzen des Lebens für das Leben unseres Volkes. Als unsere Krieger hinaus zogen, da haben sie sich losgerissen von allem und von sich selbst. Da wollten und suchten sie nichts mehr für sich sondern traten ganz ein für das

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Vaterland, da gaben sie ihr Leben auf, um nur als Waffe und Wehr ihres Volkes zu leben. Wo aber Menschen frei und froh für ihr Volk in den Tod gehen, da gibt es keine abgebrochenen Existenzen sondern nur vollendete. Merken wir es unseren Kriegern nicht an, welch eine Entwicklung sie durchmachen, wie aus Jünglingen Männer werden, wie sie reifen, auch reifen für die Ewigkeit? Schauen wir doch bei unseren vollendeten Helden auf den Flug ihrer Seele, auf die Himmelfahrt ihres Heldentums! Dann werden unsere Tränen versiegen, und wir können ergebungsvoll und getröstet sprechen: „der Herr hat es genommen“. Ja, wir kommen auch noch dazu, anbetend zu sprechen: „der Name des Herrn sei gelobet!“ Wie oft haben wir schon in diesen zwei Jahren des furchtbarsten aller Kriege Ursache gehabt, Gott zu loben über all dem Großen, das er unserm Volke hat zuteil werden lassen! Es ist ja ein Wunder vor unsern Augen, daß die Übermacht unserer Feinde uns nicht hat niederringen, und ihre Bosheit uns nicht

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hat verderben können. Das danken wir Gott, und wir loben darüber seinen Namen, daß er den Geist opferwilligen Leidens und Sterbens den Herzen unserer tapferen Krieger eingegeben hat. Nur daß unser Dank nicht etwa blos in Worten stecken bleibe! Er muß auch bei uns Daheimgebliebenen zur Tat werden. Auch wir müssen die Verpflichtung fühlen, nicht mehr uns selbst zu leben sondern unserm Volke, nicht mehr uns dienen zu lassen vom Leben sondern unser Leben hinzugeben für die anderen, nicht mehr das Unsere zu suchen sondern was dem Vaterlande frommt. Angesichts der unzähligen Heldengräber in Ost und West und hier daheim wollen wir tun, was draußen unsere Truppen tun, wenn große Lücken gerissen sind: wir wollen Fühlung mit einander gewinnen und uns desto enger zusammenschließen. Dann wird aus der großen Todesnot unseres Volkes neues Leben erblühen, und die furchtbaren Verluste werden nicht vergeblich gelitten sein. Dann wird auch in unserm deutschen
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Volke die Herrlichkeit unseres Gottes mehr und mehr offenbar werden dadurch, dass wir angesichts unserer vollendeten tapferen Heldensöhne dankbar bekennen: Der Herr hat’s gegeben! ergebungsvoll sprechen: der Herr hat’s genommen! und anbetend rühmen: Der Name des Herrn sei gelobet! Amen!

 

(Eva-Maria Hartmann, Privatarchiv Familie Kisker, Bielefeld)

Signatur: Privatarchiv Familie Kisker, Nr. 202

Der Soldat und Flieger Rudolf Kisker (1889-1916) aus Bielefeld

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Rudolf Kisker (1889-1916), Foto ca. 1913, Privatarchiv Familie Kisker, Nr. 7

Rudolf Kisker wurde am 9.11. 1889 in Bielefeld als zweitältestes Kind des Webereifabrikanten Georg Kisker und seiner Frau Marie geboren. Im Jahr 1896 wurde er in die Vorschule zum Gymnasium und Realgymnasium in Bielefeld aufgenommen, die er bis 1899 besuchte. Nach bestandener Aufnahmeprüfung für die Sexta der weiterführenden Schule ging er bis zum Herbst 1900 auf das Gymnasium und Realgymnasium seiner Heimatstadt. Georg Kisker zufolge war sein Sohn ein „schwieriger, bockiger Junge, aber ehrlich, furchtlos und treu“ (Fi. AWK, 334). Dementsprechend schwer tat sich Rudolf Kisker mit der Schule.

Zur besseren Förderung schickten ihn seine Eltern deshalb nach Godesberg auf das evangelische Pädagogium, wo er in die Sexta aufgenommen wurde. 1906 bestand er dort die Prüfung zum Einjährig-Freiwilligendienst und kehrte anschließend – im Alter von 16 Jahren – nach Bielefeld zurück. Hier besuchte er die Obersekunda und Unterprima der städtischen Oberrealschule zu Bielefeld, wurde jedoch in der Unterprima nicht versetzt. Sein Vater gab daraufhin seiner Bitte nach, die Schule verlassen zu dürfen. Seine nächste Station war die Deutsche Kolonialschule in Witzenhausen, denn er strebte eine Kolonialtätigkeit als Farmer oder Pflanzer in Südwest-Afrika an. Nachdem er ein Praktikantenjahr absolviert hatte musste er die Kolonialschule jedoch aufgrund eines Schulverweises wieder verlassen.

Kiskers beruflichen Pläne richteten sich nun darauf, Landwirt in Deutschland zu werden. In den folgenden Jahren widmete er sich erfolgreich seiner landwirtschaftlichen Ausbildung in Theorie und Praxis und leistete zudem seine einjährige Dienstzeit und erste Übungen bei den Jägern zu Pferde in Erfurt ab. Nachdem er einige Monate die Landwirtschaftliche Hochschule in Berlin besucht hatte, erreichte ihn dort Ende Juli 1914 der Einberufungsbefehl: Der Erste Weltkrieg hatte begonnen.

Rudolf Kisker wurde zum Kürassier-Regiment von Driesen nach Münster beordert, mit dem er sofort nach der Mobilmachung als Vizewachtmeister bei der Bagage, die für das Gepäck zuständig war, in Belgien einrückte. Er war beim Vormarsch des rechten Flügels bis kurz vor Paris und dem anschließenden Rückzug nach Norden dabei. Er erhielt dann ein Kommando bei einem Infanterie-Regiment, das in Polen gegen die Russen kämpfte. Hier erkrankte er nach nur wenigen Tagen an einer schweren Bronchitis und wurde in ein heimatliches Lazarett geschickt. Wieder zurück bei den Erfurter Jägern, wurde er Ausbildungsoffizier bei der Ersatzschwadron.

Seine Pläne richteten sich in der Folgezeit darauf, Flieger zu werden, was ihm auch gelang: Zur Fliegertruppe versetzt und in Leipzig ausgebildet, wurde er im Oktober 1915 an die Front nach Belgien befohlen, wo er vor allem im Fliegerlager von Menin bei Courtrai als Aufklärungsflieger tätig war. Nur wenige Wochen nach einem Heimaturlaub in Bielefeld wurde Rudolf Kiskers Flugzeug am 29. Juli 1916 im Luftkampf durch ein englisches Geschwader über Zandvorde bei Ypern abgeschossen. Mit ihm starb sein Beobachter Leutnant vom Holtz. Nach der Überführung der Leichen wurde Rudolf Kisker am 4. August 1916 auf dem Bielefelder Sennefriedhof beigesetzt.

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Der Grabstein Rudolf Kiskers auf dem Sennefriedhof (Foto: E.-M. Hartmann)

(Eva-Maria Hartmann, Privatarchiv Familie Kisker, Bielefeld)

Foto: Rudolf Kisker in Uniform mit Pickelhaube, aufgenommen 1913 (oder 1914) in Erfurt bei den Jägern zu Pferde (in Erfurt: Ableistung der einjährigen Dienstzeit und erster Übungen)

Signatur: Privatarchiv Familie Kisker, Nr. 7 (Foto); Firmenarchiv A.W. Kisker, Nr. 334