Verzeichnis der Gütersloher Opfer des Ersten Weltkriegs, 1914-1920

Liste Flachmann ganzAuszug aus dem Verzeichnis der Opfer des Ersten Weltkriegs (Signatur StadtA GT D 768) mit dem Namen des ersten Gefallenen Wilhelm Flachmann (siehe Nr. 3 in der Liste).

Liste Korte ganzAuszug aus dem Verzeichnis der Opfer des Ersten Weltkriegs (Signatur StadtA GT D 768) mit dem Namen eines Gefallenen vom 10. August 1914, Wilhelm Korte, der aus Gütersloh stammte, jedoch am 2.8.1911 nach Bielefeld verzogen ist (siehe Nr. 9 in der Liste).

Das aus 22 Einzellisten zusammengestellte Verzeichnis der Opfer des Weltkrieges (Signatur D 768) nennt insgesamt 585 Militärangehörige aus Gütersloh, die zwischen August  1914 und Februar 1920 in den Kämpfen des 1. Weltkrieges gefallen oder in Lazaretten an den Kriegsfolgen verstorben sind. Der erste verzeichnete Tote ist der Ulan Wilhelm Flachmann, der letzte der Musketier Theodor Sundermann (geb. 1894), der am 17. Februar 1920 im Vereinslazarett in Bethel gestorben ist.

Signatur: Stadtarchiv Gütersloh, GT D 768

Ende des Gütersloher Kriegswahrzeichens

Vermutlich 1917 endete die Geschichte des Kriegswahrzeichens, ohne großes Aufsehen wurde es abgerissen. Bei Renovierungsarbeiten am alten Gütersloher Theater fand man 1984 ein 33 X 38 cm großes Stück des Eichenkranzes, der zur Benagelung gedient hatte. Es ist im Gütersloher Stadtmuseum zu besichtigen.

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Abb.: „Kriegswahrzeichen“, StadtA GT, Sign. BB33634

(Günter Beine)

Offiziers-Gefangenenlager in der Westfälischen Provinzial-Heilanstalt in Gütersloh

Schon kurz nach Kriegsbeginn wurden die ersten Gefangenen in Gütersloh untergebracht. Neben einfachen Soldaten waren auch Offiziere aus vielen gegnerischen Ländern unter ihnen, hauptsächlich Engländer, Franzosen und Russen sowie Offiziere aus verschiedenen Balkanstaaten.

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Als Lager genutzt wurde die im Jahr 1914 baulich fertig gestellte, aber noch nicht mit Patienten belegte Westfälische Provinzial-Heilanstalt, die heutige LWL-Institutsambulanz Gütersloh. Der Alltag der Offiziere war durch Selbstorganisation gekennzeichnet. Neben den notwendigen Verrichtungen wie Kochen und Backen, Pflege und Reparatur von Kleidungsstücken oder Instandhaltung und Einrichtung der Unterkünfte blieb ihnen viel Zeit für sportliche und künstlerische Aktivitäten sowie für die Ausübung religiöser Riten und Bräuche.

Im Gütersloher Stadtarchiv befinden sich zwar keine schriftlichen Unterlagen zum Offiziers-Gefangenenlager, da es sich dabei um eine Angelegenheit der Militärverwaltung handelte, das Archiv verfügt aber über eine Fotoreihe, die einen vielfältigen Eindruck vom Lagerleben gibt. Nur wenige dieser Fotos sind beschriftet, so dass keine sicheren Angaben über Ort, Zeit, Motiv oder abgebildete Personen gemacht werden können. Autor der etwa 1916 als Postkarten erschienenen Fotografien ist Hermann Goldbecker. Es ist zu vermuten, dass der Gütersloher Fotograf die Dokumentation des Gefangenenlagers als Geschäftsidee entwickelt hat. Eine Genehmigung dafür hätte die Militärverwaltung, also das stellvertretende Generalkommando des 7. Armeekorps erteilen müssen. Einen Beleg gibt es hierfür nicht.

Literatur:
Heinrich Lakämper-Lührs: Kriegsgefangene in Gütersloh – Von Fremden und Hilfskräften, in: Gütersloher Beiträge zur Heimat- und Landeskunde, März 1993, Nr. 38/39, S. 821-824.

Diashow (oben):

Postkarte ca. 1916: „Schneiderwerkstatt“
(StadtA GT, Fotosammlung, BB29865, Fotograf Hermann Goldbecker)

Postkarte ca. 1916: „Tennisplatz auf dem Lagergelände“
(StadtA GT, Fotosammlung, BB29943, Fotograf Hermann Goldbecker)

Postkarte ca. 1916: Kapelle
(StadtA GT, Fotosammlung, BB29893, Fotograf Hermann Goldbecker)

Postkarte ca. 1916: „Besetzung des Theaterstücks ,Mme Beaud‘“
(StadtA GT, Fotosammlung, BB29926, Fotograf Hermann Goldbecker)

Postkarte ca. 1916: „Appell von dem Gelände der Provinzial-Heilanstalt“
(StadtA GT, Fotosammlung, BB29878, Fotograf Hermann Goldbecker), hier: Bildausschnitt:

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Wiederbelebung des Gütersloher Kriegswahrzeichens

Im Unterschied zu vielen anderen Nageldenkmälern (vgl. Herford https://archiveowl.wordpress.com/1915/08/03/nagelkreuz-herford/ und Bielefeld https://archiveowl.wordpress.com/1915/09/18/eiserne-wehrmann/) spricht das Gütersloher Kriegswahrzeichen eine sehr direkte Symbolsprache, indem ein großkalibriges Geschoss das Zentrum der Skulptur beherrscht. Adler und Eichenkranz, der allein zur Nagelung bestimmt war, hatten schmückenden Charakter, der aber mit patriotischen Worten hervorgehoben wurde.

Auszug aus dem Gütersloher Tageblatt vom 20. Oktober 1915:

„Der Sinn der Säule ist der: Ein kämpfender Adler, die deutsche Fahne verteidigend, soll den Krieg darstellen, das 42-cm-Geschoß die Zeit, der Eichenkranz als Hauptmotiv, welches benagelt werden wird, soll die Spende für die durch den Krieg Beschädigten und Geschädigten der Stadt Gütersloh in Form der höchsten Auszeichnung, die wir für unsere Helden haben, nämlich die Eichenblätter, dargebracht werden. Wir glauben, daß das Kriegswahrzeichen für unsere Stadt eine Zierde sein wird und alle Bürger zur öfteren Nagelung anlocken wird, damit der schöne Zweck, für den es errichtet ist, auch voll erfüllt wird, denn es ist eine beträchtliche Anzahl Nägel einzuschlagen; nämlich ungefähr 2000 goldene, 10000 silberne und 18000 eiserne Nägel, die einen Gesamtbetrag von 17600 Mark ergeben sollen.“

Quelle: Stadtarchiv Gütersloh, Gütersloher Tageblatt vom 20. Oktober 1915

Die Initiatoren hatten den Betrag von 17.600 Mark als Einnahmeziel bekannt gemacht. Bis zum 30. Oktober 1915 konnten 2.337 Mark verbucht werden. Die anfängliche Begeisterung hielt jedoch nicht lange vor. Die letzte Meldung über den Gesamtbetrag von 6.129 Mark stammt vom 29. November 1915. Gut ein Drittel der angepeilten Gesamteinnahme war erreicht, aber über 10.000 Mark sollten noch genagelt werden.
Im Jahr 1916 blieben die Nachrichten über Nagelungsaktionen fast gänzlich aus. So nimmt es nicht wunder, dass in der Stadtverordnetenversammlung am 9. November des gleichen Jahres außerhalb der Tagesordnung nach dem Stand der Dinge gefragt und erstmals auch ein Abriss ins Gespräch gebracht wurde.

Auszug aus einem Pressebericht über die Stadtverordnetenversammlung am 9. November 1916

„Ebenfalls außerhalb der Tagesordnung regt St.-V. (Stadtverordneter) O. Bartels an, dem Kriegswahrzeichen vor dem Rathause wieder einen würdigen Schmuck (zu) geben oder es abbrechen und im Rathause aufstellen zu lassen, bis wieder mal Lust zum Nageln vorhanden sei. – Vorsitzender Wolf spricht sich für Wiederherstellung des Schmuckes aus, da doch mal wieder Ereignisse wie Sieg oder dergl. eintreten könnten, bei denen man der Freude durch Nageln Ausdruck zu geben wünsche. – St.-V. Stahl beantragt, dass die zuständige Kommission sich etwas mehr bemühe; man verstehe nicht, dass die Sache habe so einschlafen können, da die Gebefreudigkeit hier doch wohl groß genug ist. – Als Mitglied der Kommission bemerkte Herr Wolf, dass es die Kommission an nichts habe fehlen lassen, die Mühe sei aber zuletzt ohne Erfolg geblieben; er freue sich über die gegebene Anregung und der Kommission sollte es gewiß Freude machen, wenn diese Gelegenheit Anlaß gebe, die Bürgerschaft wieder zu fleißigem Nageln zu veranlassen.“

Quelle: StadtA GT, Gütersloher Tageblatt, 10. November 1916

(Günter Beine)

Das Gütersloher „Kriegswahrzeichen“

Nach einem Bericht der Gütersloher Zeitung vom 31. August 1915 stammt die Idee zu den Nageldenkmälern aus der österreich-ungarischen Hauptstadt Wien. Patriotisch engagierte Menschen wollten die Spendenbereitschaft der Bevölkerung nutzen, um Gelder für die Kriegswohlfahrt zu sammeln. Das Gütersloher Kriegs- oder Nageldenkmal, meist als „Kriegswahrzeichen“ bezeichnet, wurde am 21. Oktober 1915 unter großer Beteiligung der Bevölkerung sowie Vereinen, Verbänden und Schulen durch den Vertreter des Bürgermeisters, der als Kriegsteilnehmer nicht anwesend sein konnte, feierlich enthüllt und eingeweiht. Mehrere örtliche Unternehmen, ehrenamtlich Tätige und die Stadtverwaltung einschließlich ihres Elektrizitätswerks hatten die Realisierung ermöglicht.

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Abb.: „Enthüllung des Kriegswahrzeichens“, StadtA GT, Sign. BB29766

(Günter Beine)