Landaufenthalt von Stadtkindern im Kreis Halle/ Westf., 1917

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Gegen Ende des Krieges wurde die Versorgung der Zivilbevölkerung in den Städten immer problematischer. Insbesondere Kinder und Jugendliche aus ärmeren Familien hatten hierunter zu leiden. Daher waren öffentliche und private Einrichtungen bemüht, Kinder aus den Städten für einige Zeit auf dem Land unterzubringen, wo die Versorgungssituation zumindest etwas besser war. Der Landkreis Halle nahm alleine 1917 mehrere hundert Kinder aus dem Ruhrgebiet auf. Natürlich wurde eine entsprechende Absicherung durch eine Unfall- und Haftpflichtversicherung nicht vergessen! Die Frankfurter Allgemeine Versicherungs-AG bot hierfür besondere Tarife an.

(Ralf Othengrafen, Kreisarchiv Gütersloh)

Signatur: Kreisarchiv Gütersloh, H LR 2 K – 007/2 Bd. I

Mitteilung über den Tod des Kandidaten der Theologie, Musketier Karl Edeler, 1915

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Todesanzeige vom 14. November 1916. Karl Edeler starb bereits am 8. März 1915.

 

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Schreiben von Rektor Ernst Edeler an die Theologische Schule Bethel zum Ableben seines Sohnes Karl Edeler (LkA EKvW 13.99 Nr. 896/8)

Bielefeld, den 15.11.1916

Hochgeehrter Herr Pastor!
Was wir lange gefürchtet, das wird uns jetzt als schmerzliche Tatsache bestätigt: Unser Sohn Karl Edeler, den Sie im Sommersemester 1910 und im Wintersemester 1913/14 zu Ihren dankbaren Hörern zählten, hat im Dienste des Vaterlandes sein junges Leben gelassen. Nach Aussage eines Kriegsgefangenen in Frankreich ist er am 8. März 1915, als die Franzosen in der Winterschlacht in der Champagne mit Gewalt den vordersten Graben angriffen, durch Bajonettstiche in die Brust schwer verwundet worden und nach Überführung in das franz[ösische] Feldlazarett in Gegenwart jenes Deutschen verstorben.
In dankbarer Erinnerung an den Segen, den der Heimgegangene in der Theolog[ischen] Schule genossen hat, und dessen er sich stets bewußt war, übersenden wir Ihnen für Ihre Anstalt 100 M[ark]* mit dem herzlichen Wunsche, daß es ihr vergönnt sein möge, recht bald im Frieden neue Scharen von jungen Arbeitern im Weinberge des Herrn heranzubilden.

Mit hochachtungsvollem Gruße
Rektor Edeler u[nd] Frau.

* Ich bitte, unsern Namen nicht zu veröffentlichen.

Karl Edeler wurde am 7. Mai 1891 in Halle / Westf. geboren. Er legte Ostern 1910 die Reifeprüfung am Gymnasium Bielefeld ab. Anschließend studierte er in Bethel, Leipzig, Tübingen und Kiel Evangelische Theologie.

Sein Vater Ernst Edeler war seit 1894 Rektor der evangelischen Volksschule in Schildesche, seit 1907 dann Leiter der 3. Bürgerschule in Bielefeld, bevor er 1908 an die Knaben-Mittelschule berufen wurde.

(Eva-Maria Hartmann, Bielefeld)

Signatur: LkA EKvW 13.99 Nr. 896/8

Zeichnung von Kriegsanleihen, 1915

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Die Finanzierung des Ersten Weltkrieges erfolgte vorwiegend durch die Zeichnung von Kriegsanleihen (verzinsliche Wertpapiere), die von der Reichsregierung ausgegeben wurden. Die erste Kriegsanleihe wurde bereits im September 1914 aufgelegt, bis zum Kriegsende folgten noch acht weitere. Den Verkauf der Anleihen in Banken und Postämtern begleiteten groß aufgelegte Werbekampagnen. Schüler bekamen schulfrei, um an diesem Tag von Tür zu Tür zu gehen und Anleihezeichner zu werben.

Mit Plakaten und Handzetteln wurde zur Zeichnung der Anleihen aufgerufen, auf Vereinsversammlungen wurden Vorträge zu diesem Thema gehalten. Auch im Kreis Halle/ Westf. kamen solche Werbematerialien zum Einsatz, in denen mehr als deutlich auf die patriotische Pflicht jedes Einzelnen hingewiesen wurde: „Alles verfügbare Geld gehört dem Vaterland!“

(Ralf Othengrafen, Kreisarchiv Gütersloh)

Signatur: Kreisarchiv Gütersloh,H LR 2 K – 009/2

Beschäftigung von Kriegsgefangenen in Steinhagen, Juni 1915

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Wegen der Einberufung von Millionen deutscher Männer an die Front bestanden in der Industrie und der Landwirtschaft erhebliche Personalengpässe, die durch den Einsatz von Kriegsgefangenen behoben werden sollten. Auch im Kreis Halle/ Westf. wurden Kriegsgefangene eingesetzt. In diesem Fall stellen die Gemeinde Steinhagen und einige Landwirte aus der Gegend einen Antrag auf Zuweisung von 50 Kriegsgefangenen. Die Kriegsgefangenen sollten v.a. Arbeiten in der Landwirtschaft übernehmen, daher wurden Männer mit entsprechender Erfahrung angefordert. Vorgesehen war eine Unterbringung der Gefangenen im Saal des Wirtshauses Riepe, das auch die Verpflegung übernehmen sollte.

(Ralf Othengrafen, Kreisarchiv Gütersloh)

Signatur: Kreisarchiv Gütersloh, H LR 2 K – 008/2

Vaterländische Volksunterhaltung für die Bürger in Halle/ Westf., Januar 1915

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Auf dem dritten Volksunterhaltungsabend am 10. Januar 1915 beleuchtete ein Vortrag mit zahlreichen Lichtbildern die bisherigen Kriegsereignisse. Damit auch „die deutsche Jugend […] sich an diesen Bildern erbauen und stählen und der Text zum unverlierbaren Eigentum der Schüler werden“ konnte, fanden vor der eigentlichen Abendveranstaltung für die Erwachsenen zwei Nachmittagsvorträge für die Jugendlichen statt.

(Ralf Othengrafen, Kreisarchiv Gütersloh)

Signatur: Kreisarchiv Gütersloh, H LR 2 K – 007/14

Goldsammlungen im Amt Halle/ Westf., Dezember 1914

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Anregungen des Amtmannes des Amtes Halle für eine möglichst effektive Durchführung der Goldsammlungen im Kreis Halle vom 11. Dezember 1914. Mit dem Gold aus Privatbesitz sollte der Krieg finanziert werden. Der Amtmann betont, dass eine derartige Sammlung nur dann erfolgreich sein könne, wenn sie von „angesehenen Personen“ durchgeführt wird. Er empfahl daher, Lehrer für die Sammlungen einzusetzen. Diese seien von den Maßnahmen überzeugt und könnten so das „verborgen gehaltene Gold flüssig […] machen.“ Er schlug zudem einen Wettbewerb zwischen den Ämtern des Kreises Halle/ Westf. vor, um die Spendenbereitschaft der Bürger anzufachen.

(Ralf Othengrafen, Kreisarchiv Gütersloh)

Signatur: Kreisarchiv Gütersloh, H LR 2 K – 003/05

Vaterländische Volksunterhaltung für die Bürger in Halle/ Westf., November 1914

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Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurden in Halle Volksunterhaltungsabende veranstaltet, die das Ziel hatten, „in würdiger vaterländischer Weise dem Gedanken der Zusammengehörigkeit aller Schichten Ausdruck zu verleihen und sich zugleich von trüben Gedanken abziehen […] zu lassen.“ Der erste Volksunterhaltungsabend fand am 15. November 1914 in Halle in Westfalen statt. Es wurden Kriegslieder und Kriegsgedichte vorgetragen sowie Vorträge gehalten, in denen an die „glorreichen Kämpfe unseres engeren Vaterlandes Preussen“ erinnert und zur Einigkeit aufgerufen wurde.

(Ralf Othengrafen, Kreisarchiv Gütersloh)

Signatur: Kreisarchiv Gütersloh, H LR 2 K – 007/14