Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Hartmann (Rödinghausen), 19.11.1917

Der Tagesbericht bringt wenig Fortschritte in Italien; an einer Stelle haben die Italiener Wiedereroberungsversuche gemacht. Die Tschechen würden lieber heute als morgen mit unsern Feinden gehen & die Hochverräter sind begnadigt. Nachm[ittags] bei Haaken, wo die Mutter eben entschlafen ist, dann zu Sundermann & H[er]rn Pöhl.

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Ernst Hartmann, Kirchengemeinde Rödinghausen, S. 171/19.11.1917

Signatur: LkA EKvW Best. 4.31 Abt. B HS 2 (Quelle); LkA EKvW W 15193 (Transkription)

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Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Hartmann (Rödinghausen), 1.11.1917

Da die Gefangenen-Zahl in Italien auf 180.000 & 1.500 Geschütze gestiegen ist, flagge ich. Sieg am Tagliamento hatte noch 60.000 Gefangene hinzugebracht. Abends im Nebelregen mit Rieke nach Ostkilver zu Mailänder b[is] 10 [Uhr] & zu Col[on] Meier. Bei letztern wird der Freude über Italien ein Dämpfer aufgesetzt: Es heißt, die ganze westfäl[ische] Division sei am „Damenweg“ gefangen. Siegbert Seippel wird vermißt. Friedr[ich] Obersundermeier schwer verwundet.

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Ernst Hartmann, Kirchengemeinde Rödinghausen, S. 168/01.11.1917

Signatur: LkA EKvW Best. 4.31 Abt. B HS 2 (Quelle); LkA EKvW W 15193 (Transkription)

„Totenbrief“ zum „Ableben“ des Bundesgenossen Italien, 23.5.1915

FriedelChronik-Italien

Großformatiger „Totenbrief“ zum „Ableben“ des Bundesgenossen Italien. Er zeugt von der allgemeinen Erbitterung und Wut über den Seitenwechsel Italiens. Man beachte die am Schluss genannten „Feuerbestattungsunternehmen“, Krupp und Skoda, die beiden größten Rüstungskonzerne der Mittelmächte – eine eindeutige Drohung.

Vom tiefstem Abscheu erfasst, geben die Gefertigten hiermit, allen noch neutral gebliebenen Völkern unserer Erde die erlösende Nachricht von dem Ableben ihres Bundesgenossen

ITALIEN

welcher am Pfingstson[n]tag den 23. Mai 1915 um halb 4 Uhr nachmittags nach langem, heimtückischen Leiden und Empfang der Judassilberlinge, versehen mit den Tröstungen der Krippel-Entente infolge gebrochenen Ehrenwortes und unheilbarer Ländergier nach 33jähriger Lebensdauer in das feindliche Lager übergangen ist.

Das Begräbnis des Vertragsbrüchigen fand noch an demselben Tage, vom Sterbehause: Palais des k. u. k. Ministerium des Auessern, Wien I. Ballhausplatz Nr. 2 aus, auf dem Friedhofe der öffentlichen Meinung (Abteilung für Verräter) statt.

Wien, 23. Mai 1915

Der Ex-Dreibund
als Vater

Oesterreich-Ungarn, Deutsches Reich
als Brüder

Die Türkei
als Adoptivschwester

Feuerbestattungsunternehmung:
Krupp u. Scoda

„Juldo“ Nachdruck verboten                  10% für Rotem Kreuz

Das seit 1882 mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn im defensiven Dreibund zusammengeschlossene Italien hatte sich aufgrund seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit von England 1914 bei Kriegsbeginn für neutral erklärt. Nach Abschluss des Geheimvertrages von London mit England, Frankreich und Russland vom 26.4.1915 trat es am 23.5.1915 auf Seiten der Entente in den Krieg ein, zunächst nur gegen Österreich-Ungarn, am 28.8.1915 auch gegen das Deutsche Reich.

(Rolf-Dietrich Müller, Stadtarchiv Paderborn)

Signatur: Stadtarchiv Paderborn, S 1/13/2, S. 201

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Hartmann (Rödinghausen), 31.8.1914

Während ich im Garten grub und Salat pflanzte, hörte ich in der Ferne Schießen, ich vermute Artillerie Übungen. Als ich ins Haus ging, war Wegewärter Pöhler da. Er sagte von einem neuen Sieg über die Russen, wobei 30.000 Gefangene gemacht wären. Es stellte sich heraus, daß es nur der Bericht über den Erfolg der schon bekannten Russenschlacht war, darum ließ ich nicht läuten, obwohl der kranke Reservist Rische [?] bei Krämer darum anfragte. Der alte Schmücke wollte noch „Waffen des Wortes“ für seinen Sohn haben. Es sind keine mehr da. Den Rest des Vormittags füllte ich mit Briefen an H. Grothaus, H. & E. Schulte & Fr[au] Stiegelmeier aus:
Am Nachmittage war ich zur hebr. Conference nach Buer. Vorn im Dorf las ich den Anschlag von der Versenkung des Hilfskreuzers „Kaiser Wilhelm d. Gr.“ in den neutralen Gewässern von Rio del Oro. Auf der Konferenz war natürlich auch nur vom Kriege die Rede. P[astor] Heintzes Sohn Werner ist Rekrut in Hildesheim, der Schwiegersohn Berner stellt sich in Bi[?]. Sup[erintendent] Knocke meinte, im engl[ischen] Minist[er]Präs[identen] Grey [gemeint war der englische Außenminister Sir Edward Grey (1862-1933)] sei der Teufel leibhaftig; das kann ich nicht teilen. Auf dem Rückwege fragte man mich in Markendorf, ob ich wisse, was das Läuten in Meesdorf bedeute. Ich hörte nachher, in Lintorf, Rabber etc. sei eine falsche Siegesnachricht verbreitet. Falsche Nachrichten bedürfen wir nicht. Wir haben genug echte. Ein Knecht auf dem Kleewagen pfiff die Melodie ‚Eine feste Burg ist unser Gott‘.
Von Lili eine Karte gekommen im Umschlag von Frankfurt. Sie hat nun Nachrichten von ihren Kindern & von deutschen Siegen. In Italien bessert sich die Stimmung gegen Deutschland. Natürlich, man hält es „mit den Gewinnern“.

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Ernst Hartmann, Kirchengemeinde Rödinghausen, S. 9/31.08.1914

Signatur: LkA EKvW Best. 4.31 Abt. B HS 2 (Quelle); LkA EKvW W 15193 (Transkription)