Nottrauung in Detmold, 2.8.1914

Blatt_053

Nottrauung!
Der Zollsekretär Kurt Wilhelm Ferdinand Rudolf Neitzel, Reservist geb. am 23. Januar 1888 zu Hannover, wohnhaft Bünde hat heute die Eheschließung mit der Haustochter Marie Emma Beneke, geb. 28. November 1891 in Detmold der Mobilmachung wegen ohne Aufgebot beantragt.
Die Eheschließung ist sofort vorgenommen .

(Verf[ügung] Fürstl[iche] Reg[ierung] v[om] 3.3.13. No 8356)
Detmold, 2. August 1914
Der Standesbeamte
Bröker.

Historische Einordnung

Viele Menschen klärten in dieser als bedrohlich empfundenen Situation wichtige persönliche Angelegenheiten, überschrieben Immobilien oder regelten ihre Nachlässe. Ein auffälliges Phänomen sind die unmittelbar nach der Mobilmachung einsetzenden „Nottrauungen“. Nachdem der preußische Innenminister am 31. Juli 1914 für Militärpflichtige die Möglichkeit einer Nottrauung bekanntgemacht hatte, verfügte einen Tag später auch die Fürstlich Lippische Regierung die Befreiungen vom Aufgebot für Brautpaare, die von der Mobilmachung betroffen waren. Standesbeamte waren damit befugt, Verlobte ohne weitere Formalitäten zu trauen. In Detmold nutzten zahlreiche Soldaten und ihre Bräute spontan diese Möglichkeit. Die erste Nottrauung eines Reservisten fand am Sonntag, 2. August statt, bis zum 11. August folgten 22 weitere. Dazu erschienen die Verlobten vor dem Standesbeamten, der die Kriegstrauung umgehend vollzog. Mit dem Auszug der ersten Truppen nahm die Zahl der Nottrauungen wieder ab. Bis zum Ende des Jahres 1914 wurden in dieser vereinfachten Weise noch 13 Eheschließungen durchgeführt.

(Dr. Bärbel Sunderbrink, Stadtarchiv Detmold)

Signatur: Stadtarchiv Detmold, DT Standesämter, Nr. 1066

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