Brief des Malers Peter August Böckstiegel an Hanna Müller, 20. November 1915 (Auszug)

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Im Januar 1915 wurde der Künstler Peter August Böckstiegel aus Werther als Landsturmmann zum Kriegsdienst einberufen. Er erhielt im schlesischen Märzdorf seine militärische Ausbildung, anschließend wurde er zwischen 1916 und 1918 in Russland, Rumänien und der Ukraine eingesetzt. Erst im März 1919 kehrte er mit einem englischen Truppentransport aus der Ukraine nach Deutschland zurück. Aus Märzdorf gratuliert er am 20. November 1915 seiner späteren Ehefrau Hanna Müller zu ihrem 21. Geburtstag. Die obere Hälfte des Briefbogens enthält die Tuschezeichnung einer Dorfstraße. In dem kleinen ersten Haus auf der linken Seite wohnte Böckstiegel während seiner Militärausbildung in Märzdorf.

Transkription:

„Meine liebe gute Hanna! Es ist Sonnabend, mache alles in Ordnung in meiner Schlafstube. Diese Worte werden dir am Tage deines Geburtstages antreffen. Hanna, verlebe ihn recht freudig. Das kann ich dir nur wünschen, hoffent[lich] können wir den nächsten zusammen begehen, ich dir zur Seite stehen. Könnte ich dir einen Kuß an diesem Tage geben, nur mit Worten versuche ich es dir recht leicht zu gestalten. Hanna, 21 Jahre wirst du nun, als selbstständiges Wesen stehest du nun da. Siehe keinen Blumenstrauß kann ich dir überbringen, hier im Dorfe ist nichts Blühendes, lauter Dreck. Ach wie schön wird es erst sein, wenn wir in unserem Heim ganz aneinander gekettet solche Tage begehen können mit Freud und Leid. Hanna, die kleine Fiegur ist vom Kammerad Büttner, wovon ich dir schon schrieb, die Äpfel habe ich hier aus dem Dorfe, an Süßigkeiten konnte ich nur diese Tafel Schokolade auftreiben hier im Dorfe. Laß es dir recht gut schmecken meine kleine Gabe. […]“

(Ralf Othengrafen, Kreisarchiv Gütersloh)

Signatur: Kreisarchiv Gütersloh, C 01/1-001/2/163

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Nahrungsbeschaffung im Osten

Carl Titgemeyer mit Edelweiß

Portrait Carl Titgemeyer mit Edelweiß (Foto: Stadtarchiv Herford)

Carl Titgemeyer requiriert im Osten – Bilder, wie sich Soldaten im Ersten Weltkrieg Nahrung beschafften

Der Herforder Verleger Carl Tigtemeyer stellte nach 1918 ein kleines Bändchen „Weltkrieg 1914 – 1918“ zusammen. Er war – erkennbar am Edelweiß an seiner Uniformmütze – offenbar bei der Gebirgstruppe eingesetzt – warum, ist unklar.

Die österreichisch-ungarische Gebirgstruppe befand sich 1915 an der Ostfront in Galizien, was für Österreich-Ungarn angesichts des Kriegseintritts Italiens gefährlich wurde. Daher stellten die Deutschen zur Verteidigung der Grenze nach Italien ein eigenes Deutsches Alpenkorps auf. Es diente hauptsächlich dazu, den Verbündeten verhinderte aber auch einen italienischen Durchbruch im Dolomiten-Raum. Aus Dankbarkeit verlieh das k.u.k. Oberkommando der deutschen Gebirgstruppe das Edelweiß – wie es heute noch von den Gebirgsjägern der Bundeswehr getragen wird, allerdings anders als in Österreich mit dem Stiel nach vorne. Auf Titgemeyers Portrait ist die Richtung des Stieles nicht genau zu erkennen, aber er wird wohl kaum zur österreichisch-ungarischen Gebirgstruppe gehört haben.

Von wann die Bilder in Titgemeyers Album stammen, ist unklar, in jedem Fall aber von der östlichen Front, denn er trifft sich mit seinen Kameraden zum „Morgenkaffee in Galizien“. 1916/17 kämpfte das deutsche Alpenkorps auch in Siebenbürgen und Rumänien. Seine Fotos zeigen aber unter anderem auch die Essensbeschaffung im Krieg: Requirierte Rinder werden aus einem Dorf getrieben, geschlachtetes Vieh liegt auf einem Pferdewagen und an der Feldküche wird das daraus bereitete Essen geholt.

Feldküche Titgemeyer

„Soldaten holen ihr Essen von der Feldküche“ (Postkarte: Stadtarchiv Herford)

MOrgenkaffe in Galizien Titgemeyer

Morgenkaffee in Galizien (Foto: Stadtarchiv Herford)

KochstundeTitgemeyer

Kochstunde (Foto: Stadtarchiv Herford)

requiriertes Vieh Titgemeyer

Requirierte Rinder werden aus dem Dorf getrieben (Foto: Stadtarchiv Herford)

Schlachtstücke auf dem Wagen Titgemeyer

Schlachtstücke auf dem Wagen (Foto: Stadtarchiv Herford)

Der gebürtige Herforder Carl Titgemeyer hatte in Enger die Verlags Anstalt Carl Tigtemeyer Enger Westfalen (VACTEW) gegründet, die er nach dem Ersten Weltkrieg 1921 nach Herford verlegte. In der Festschrift des Verlags zum 50ten 1952 schilderte sein Sohn Karl das Kriegerlebnis seines Vaters: „Der Krieg 1914-18 unterbrach die erfolgreiche Aufbauarbeit des noch jungen Unternehmens. Carl Titgemeyer erlebte ihn von Anbeginn bis zum bitteren Ende mit. … Krank kehrte Carl Titgemeyer aus dem Kriege zurück und ging dennoch gleich wieder an die Arbeit.“

Signatur: Kommunalarchiv Herford, Stadtarchiv Herford Slg. N 30 139

(Christoph Laue, Stadtarchiv Herford)

Brief des Malers Peter August Böckstiegel an Hanna Müller, 3. September 1914 (Auszug)

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Kurz nach Kriegsausbruch, am 3. September 1914, schreibt der Maler Peter August Böckstiegel aus Arrode (Werther) an seine spätere Ehefrau Hanna Müller in Dresden. Er berichtet zunächst, dass er noch nicht zum Landsturm einberufen wurde, um dann auf die hohen Verluste einzugehen, die schon in den ersten Tagen des Krieges zu beklagen waren. Im Januar 1915 musste dann auch Peter August Böckstiegel seinen Kriegsdienst als Landsturmmann antreten. Er erhielt im schlesischen Märzdorf seine militärische Ausbildung, anschließend wurde er zwischen 1916 und 1918 in Russland, Rumänien und der Ukraine eingesetzt. Erst im März 1919 kehrte er mit einem englischen Truppentransport aus der Ukraine nach Deutschland zurück.

Transkription:

„Meine liebe Hanna! Heute Sonntagnachmittag sitze ich in der Stube und denke an Dir, war sonst um diese Zeit schon lange bei Dir, um etwas an die Luft zu gehen, was ich heute alleine besorgen muß, immer mit Dich, meine Hanna, im Herzen. […] Bei uns ist alles mit Verwundeten fast in jedem Bauernhaus gefüllt. Schon viele Schulkammeraden und Bekannte sind schon den Heldentot in die Arme gefallen, auch ein Lehrkollege von mir ist bei Verdun […] gefallen. Mein Bruder ist wieder an der Bahn tätig, was er mir gestern geschrieben hat, ist er zurückberufen.“

(Ralf Othengrafen, Kreisarchiv Gütersloh)

 

Signatur: Kreisarchiv Gütersloh, C 01/1 – 001/1/17