Aus dem Tagebuch von Hedwig Stegemann, Herford, 2.9.1914

Sedan! … Wie so oft haben wir diesen Tag schon mit Jubel begrüßt. Aber in diesem Jahr haben wir erst recht Grund dazu. Heißt es doch Sieg, überall Sieg. Alle par Tage haben in der letzten Zeit die Kriegesglocken geläutet. Wie herrlich das doch klingt. Abends spielten dann auf dem alten Markte oder am Bahnhof die Posaunenbläser. Welche Begeisterung geht doch dann durch das ganze deutsche Volk. Heute Nachmittag waren wir mit Frau Ahlersmeyer und Anna Elssner im Waldfrieden, wo patriotisches Konzert war.

66.04

Gaststätte Waldfrieden, Herford (Abb.: Stadtarchiv Herford, 66.04)

Quelle: Das Tagebuch der Hedwig Stegemann aus Herford im Ersten Weltkrieg (1.1.1914-10.5.1918)

Signatur: Kommunalarchiv Herford, Stadtarchiv Herford, Slg. E 521 (Transkription C. Laue)

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Hartmann (Rödinghausen), 31.8.1914

Während ich im Garten grub und Salat pflanzte, hörte ich in der Ferne Schießen, ich vermute Artillerie Übungen. Als ich ins Haus ging, war Wegewärter Pöhler da. Er sagte von einem neuen Sieg über die Russen, wobei 30.000 Gefangene gemacht wären. Es stellte sich heraus, daß es nur der Bericht über den Erfolg der schon bekannten Russenschlacht war, darum ließ ich nicht läuten, obwohl der kranke Reservist Rische [?] bei Krämer darum anfragte. Der alte Schmücke wollte noch „Waffen des Wortes“ für seinen Sohn haben. Es sind keine mehr da. Den Rest des Vormittags füllte ich mit Briefen an H. Grothaus, H. & E. Schulte & Fr[au] Stiegelmeier aus:
Am Nachmittage war ich zur hebr. Conference nach Buer. Vorn im Dorf las ich den Anschlag von der Versenkung des Hilfskreuzers „Kaiser Wilhelm d. Gr.“ in den neutralen Gewässern von Rio del Oro. Auf der Konferenz war natürlich auch nur vom Kriege die Rede. P[astor] Heintzes Sohn Werner ist Rekrut in Hildesheim, der Schwiegersohn Berner stellt sich in Bi[?]. Sup[erintendent] Knocke meinte, im engl[ischen] Minist[er]Präs[identen] Grey [gemeint war der englische Außenminister Sir Edward Grey (1862-1933)] sei der Teufel leibhaftig; das kann ich nicht teilen. Auf dem Rückwege fragte man mich in Markendorf, ob ich wisse, was das Läuten in Meesdorf bedeute. Ich hörte nachher, in Lintorf, Rabber etc. sei eine falsche Siegesnachricht verbreitet. Falsche Nachrichten bedürfen wir nicht. Wir haben genug echte. Ein Knecht auf dem Kleewagen pfiff die Melodie ‚Eine feste Burg ist unser Gott‘.
Von Lili eine Karte gekommen im Umschlag von Frankfurt. Sie hat nun Nachrichten von ihren Kindern & von deutschen Siegen. In Italien bessert sich die Stimmung gegen Deutschland. Natürlich, man hält es „mit den Gewinnern“.

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Ernst Hartmann, Kirchengemeinde Rödinghausen, S. 9/31.08.1914

Signatur: LkA EKvW Best. 4.31 Abt. B HS 2 (Quelle); LkA EKvW W 15193 (Transkription)

Feldpost Rudolf Kisker, 19.8.1914

Folx les Caves

Autre Eglise 19/8

Nach hin u. her heute wieder hier. Es geht weiter die Infanterie ist da. In den nächsten Tagen wird sich viel entscheiden. Es geht mir gut.
Herzl. Rudolf
Gestern hatte die Division einen Erfolg gegen Franzosen.

Signatur: Privatarchiv der Familie Kisker, Nr. 189: Feldpostbrief von Rudolf Kisker mit Poststempel vom 19.8., 9. Kavalleriedivision