Dankurkunde des Kriegshilfsvereins Bielefeld, 1919

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Der Kriegshilfsverein
dankt
Frau Marie Kisker
herzlichst für treue Mitarbeiter in der
Kriegsfürsorge in den Jahren 1914-1919

Bielefeld, Weihnachten 1919
Oberbürgermeister Stapenhorst

Großformatige Urkunde mit dem Bielefelder Stadtwappen (oben) und dem Eisernen Kreuz (unten) sowie dem Hinweis auf verschiedene „Kriegsfürsorge“-Dienste: Bahnhofsdienst, Volksküche, Familienfürsorge, Kleiderausgabe, Verwundetenfürsorge, Näh- und Flickstube, Strick- und Nähausgabe, Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenen-Fürsorge, Liebesgaben-Dienst, Sammel-Dienst.

Signatur: Privatarchiv Familie Kisker, Ger.Pl. Nr. 1

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Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Hartmann (Rödinghausen), 8.6.1918

Konf[irmanden]Unt[erricht]. Ablieferung der Ludendorff-Spende: Rödinghausen 416 M[ark], Ostkilver 112 M[ark], Bieren 303 M[ark], Schw[ennin]gd[or]f 228 M[ark] – II. Artikel. – Nachm[ittags] Beerdigung des Töchterchens der Kriegswitwe Möller in Siensdorf. Beide Veredlungen im Garten sind angeschlagen. Der Gartenlaubsänger im Taxus hat trotz Beschneidens des Baums das Nest nicht verlassen. Es stellt sich heraus, daß noch reichlich Kartoffeln zu bekommen sind im Amte. Geburtstagsbrief an Alli Lampe. Schule. Zucker Mehl von Enno aus d[er] Ukraine.

Aus dem Kriegstagebuch von Pfarrer Ernst Hartmann, Kirchengemeinde Rödinghausen, S. 205/08.06.1918

Signatur: LkA EKvW Best. 4.31 Abt. B HS 2 (Quelle); LkA EKvW W 15193 (Transkription)

Ludendorfspende

Plakat „Gib zur Ludendorff-Spende für Kriegsbeschädigte! Auch für Dich haben sie geblutet!“, o.D.

Signatur: LkA EKvW 4.256 Nr. 415

Ludendorff-Spende für Kriegsbeschädigte, 1918

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Im April 1918 endete in Bielefeld eine vierwöchige Spendensammlung für die Kriegsbeschädigten, die nach General Erich Ludendorff (1865-1937) benannt war. Aus Bielefeld wurden der Stiftung Heimatdank schließlich 24.000 Mark überwiesen, die Honoratioren und Unternehmer, aber auch Arbeiter und Angestellte sowie Schulen gesammelt hatten.

Maße: 30 x 43,5 cm

(Dr. Jochen Rath, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld)

Signatur: Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,9/Plakate, Nr. 3099

8. Kriegsanleihe, Bielefeld, 1918

Stadtarchiv Bielefeld-Kriegsanleihe-Sparkasse

Die neun Kriegsanleihezeichnungen ab September 1914 erzielten allein in Bielefeld 229,65 Millionen Mark. Das Volumen wurde durch Renditeversprechen aus Reparationsleistungen besiegter Länder ebenso gefördert wie durch die allgemeine Geldentwertung. Die Zeichner aus allen Bevölkerungsgruppen wurden enttäuscht, viele waren nach der Niederlage 1918 ihrer Ersparnisse vollständig beraubt.

Entwurf: Louis Oppenheim
Maße: 72,5 x 48 cm

(Dr. Jochen Rath, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld)

Signatur: Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,9/Plakate, Nr. 3090

Aus der „Kriegschronik“ des Rettungshauses Schildesche, 25.12.1917

Auch die 4. Kriegsweihnacht durften wir in gewohnter Weise fröhlich feiern, bei reich gedecktem Gabentisch. Zwar waren nur wenige Pakete eingegangen; dafür überstiegen die Geldgaben diesmal die Summe von 2.000 M[ark]. […]

Quelle: Aus der „Kriegschronik“ des Rettungshauses Schildesche, von Anstaltsleiter Pastor Paul Bellingrodt (1875-1951)

Signatur: Archiv des Ev. Johanneswerks, Re/Schild – 5

Sammler-Armbinde für U-Boot-Spende/Opfer-Tag, 1917

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Der am 1. Februar 1917 von Deutschland begonnene uneingeschränkte U-Boot-Krieg führte zum Kriegseintritt der USA am 6. April 1917. Um die anfangs des Krieges noch unbedeutende U-Boot-Flotte finanziell zu unterstützen, fand vom 1. bis 3. Juni 1917 eine reichsweite Spendensammlung auch in Bielefeld statt.

(Dr. Jochen Rath, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld)

Signatur: Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 300,10/Sammlung Militärgeschichte, Nr. 360

Wiederbelebung des Gütersloher Kriegswahrzeichens

Im Unterschied zu vielen anderen Nageldenkmälern (vgl. Herford https://archiveowl.wordpress.com/1915/08/03/nagelkreuz-herford/ und Bielefeld https://archiveowl.wordpress.com/1915/09/18/eiserne-wehrmann/) spricht das Gütersloher Kriegswahrzeichen eine sehr direkte Symbolsprache, indem ein großkalibriges Geschoss das Zentrum der Skulptur beherrscht. Adler und Eichenkranz, der allein zur Nagelung bestimmt war, hatten schmückenden Charakter, der aber mit patriotischen Worten hervorgehoben wurde.

Auszug aus dem Gütersloher Tageblatt vom 20. Oktober 1915:

„Der Sinn der Säule ist der: Ein kämpfender Adler, die deutsche Fahne verteidigend, soll den Krieg darstellen, das 42-cm-Geschoß die Zeit, der Eichenkranz als Hauptmotiv, welches benagelt werden wird, soll die Spende für die durch den Krieg Beschädigten und Geschädigten der Stadt Gütersloh in Form der höchsten Auszeichnung, die wir für unsere Helden haben, nämlich die Eichenblätter, dargebracht werden. Wir glauben, daß das Kriegswahrzeichen für unsere Stadt eine Zierde sein wird und alle Bürger zur öfteren Nagelung anlocken wird, damit der schöne Zweck, für den es errichtet ist, auch voll erfüllt wird, denn es ist eine beträchtliche Anzahl Nägel einzuschlagen; nämlich ungefähr 2000 goldene, 10000 silberne und 18000 eiserne Nägel, die einen Gesamtbetrag von 17600 Mark ergeben sollen.“

Quelle: Stadtarchiv Gütersloh, Gütersloher Tageblatt vom 20. Oktober 1915

Die Initiatoren hatten den Betrag von 17.600 Mark als Einnahmeziel bekannt gemacht. Bis zum 30. Oktober 1915 konnten 2.337 Mark verbucht werden. Die anfängliche Begeisterung hielt jedoch nicht lange vor. Die letzte Meldung über den Gesamtbetrag von 6.129 Mark stammt vom 29. November 1915. Gut ein Drittel der angepeilten Gesamteinnahme war erreicht, aber über 10.000 Mark sollten noch genagelt werden.
Im Jahr 1916 blieben die Nachrichten über Nagelungsaktionen fast gänzlich aus. So nimmt es nicht wunder, dass in der Stadtverordnetenversammlung am 9. November des gleichen Jahres außerhalb der Tagesordnung nach dem Stand der Dinge gefragt und erstmals auch ein Abriss ins Gespräch gebracht wurde.

Auszug aus einem Pressebericht über die Stadtverordnetenversammlung am 9. November 1916

„Ebenfalls außerhalb der Tagesordnung regt St.-V. (Stadtverordneter) O. Bartels an, dem Kriegswahrzeichen vor dem Rathause wieder einen würdigen Schmuck (zu) geben oder es abbrechen und im Rathause aufstellen zu lassen, bis wieder mal Lust zum Nageln vorhanden sei. – Vorsitzender Wolf spricht sich für Wiederherstellung des Schmuckes aus, da doch mal wieder Ereignisse wie Sieg oder dergl. eintreten könnten, bei denen man der Freude durch Nageln Ausdruck zu geben wünsche. – St.-V. Stahl beantragt, dass die zuständige Kommission sich etwas mehr bemühe; man verstehe nicht, dass die Sache habe so einschlafen können, da die Gebefreudigkeit hier doch wohl groß genug ist. – Als Mitglied der Kommission bemerkte Herr Wolf, dass es die Kommission an nichts habe fehlen lassen, die Mühe sei aber zuletzt ohne Erfolg geblieben; er freue sich über die gegebene Anregung und der Kommission sollte es gewiß Freude machen, wenn diese Gelegenheit Anlaß gebe, die Bürgerschaft wieder zu fleißigem Nageln zu veranlassen.“

Quelle: StadtA GT, Gütersloher Tageblatt, 10. November 1916

(Günter Beine)