Unteroffizier Hermann Güllekes und die Theologische Schule in Bethel

Hermann Güllekes wurde am 19. Dezember 1894 als ältester Sohn eines Postbeamten in Velbert im Bergischen Land geboren. Nach dem Besuch der dortigen Volksschule besuchte er ab Ostern 1905 das Realgymnasium seiner Heimatstadt. Mit Beendigung der Obersekunda erhielt er Ostern 1911 die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst. Nach drei weiteren Jahren beendete er Ende Februar 1914 die Schule mit dem Zeugnis der Reife. Da er Theologie studieren wollte, bewarb er sich anschließend um Aufnahme in die Theologische Schule Bethel bei Bielefeld, um die für das Studium nötigen Sprachkenntnisse in Griechisch in Hebräisch zu erwerben. Er wurde aufgenommen, verbrachte dort das Sommersemester 1914 und zog von dort aus direkt in den Krieg. Mehrfach schreibt er in der Folgezeit an Pastor Samuel Jaeger in Bethel. Jaeger war seit 1905 einer der ersten Dozenten der Theologischen Schule Bethel  und zuvor Leiter des Tholuckschen Konviktes in Halle gewesen.

1) Feldpostkarte an Pastor Samuel Jaeger in Bethel (Stempel Cöln-Riehl vom 27.9.14)

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Heiloh Herr Pfarrer!
Bin nun schon 7 Wochen bei den Pionieren in 2 bis 3 Wochen rücken wir aller Voraussicht nach aus. Güllekes bleibt noch hier, da seine Ausbildung noch nicht beendet ist. Grüße an alle Bekannte dort, besonders Herrn Lic. Eichrodt dem ich für die Nachricht danke.
Heil und Sieg
Carl Prüßmann.
Was macht Herr Korno?

2) Feldpostkarte an Pastor Jaeger (Stempel Hann[oversch] Münden vom 20.6. 15)

Sehr geehrter Herr Pastor!

Nach langem Schweigen sendet Ihnen herzl. Grüße
Ihr dankbarer Schüler
Utffz. Güllekes.
Ich mache z. Zt. in Hann[oversch] Münden einen Kursus zur Ausbildung als Reserve Offizier mit.

3) Feldpostkarte an Pastor Jaeger (Stempel Velbert (Rhld.) vom 11.7.15.)

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Sehr geehrter Herr Pastor!

Möchte Ihnen mitteilen, daß ich, wenn es Ihnen recht ist, Samstag, den 17. ds. Mts. Bethel besuchen möchte. Wäre es da möglich, in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Hospiz unterzukommen?
Herzl. Grüße
Utffz. Güllekes

4) Feldpostkarte an Pastor Samuel Jaeger in Bethel (Stempel Cöln-Nippes vom 4.10.15)

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Sehr geehrter Herr Pastor!

Sende Ihnen herzl[iche]
Grüße aus der Mitte
meiner Korporalschaft
heraus.

Ihr H. Güllekes

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5) Feldpostbrief an Pastor Jaeger in Bethel

Absender: Utffz. Güllekes, 39. Reserve-Armeekorps, 77. Reserve-Division, [Königlich-Preußische] Reserve-Pionier-Kompanie 78
Rußland, d. 21.5.16.
Sehr geehrter Herr Pastor,
Fast kann ichs nicht begreifen, daß ich nun schon ein halbes Jahr im Felde bin, noch mehr aber, daß ich Sie mit der Antwort auf Ihren werten Brief so lange habe warten lassen können. Man hat sich so ganz was anders vom Kriege vorgestellt, und nun liegt man schon das ganze halbe Jahr an ein und derselben Stelle, hat nur ein paar Tage lang bei der russischen Offensive ernstlich gemerkt, daß überhaupt noch Krieg ist. Das lastet schwer auf manch einem, man muß sich daran gewöhnen. In unserem Abschnitt haben die Russen anscheinend jede Hoffnung auf einen Durchbruch aufgegeben. So liegt sich Freund und Feind gegenüber, tage- ja wochenlang in vollkommener Ruhe, nur die Artillerie arbeitet mitunter dazwischen. Habe gerade in einer Nummer des Bethelblattes vom Jubiläum der th[eologischen] Schule gelesen und möchte Ihnen auch eine kleine Gabe dazu senden als Zeichen dafür, daß ich mich dort glücklich gefühlt habe.
Entschuldigen Sie bitte, daß ich Ihnen so lange nicht geschrieben habe.
Mit herzl. Gruß
Ihr dankbarer H. Güllekes.

6) Feldpostbrief

Velbert, d[en] 21.6.16.
Sehr geehrter Herr Pastor!
Herzlichen Dank für Ihren Brief und das Buch, das ich in der Heimat zu lesen Gelegenheit hatte. Ich habe nämlich 14 Tage Urlaub gehabt und war Pfingsten zu Hause. Wenn das Wetter auch manchmal nicht glänzend war, so war der Urlaub doch eine angenehme Unterbrechung.
Die Russen haben sich im Süden doch etwas mehr angestrengt, als im vergangenen März bei uns, dementsprechend müssen wohl auch ihre Verluste sein. Hoffentlich werden sie bald überzeugt, daß auch diese, ihre letzte Anstrengung ihre Lage nicht mehr ändern kann. Gebe Gott, daß wir auf einen baldigen Frieden hoffen dürfen.
Herzliche Grüße auch an Ihre Frau Gemahlin
sendet Ihr
H. Güllekes.

7) Brief

Teterow, den 24.3. 1924
Sehr geehrter Herr Pastor!
Heute abend ist ein Herr aus Bethel hier, um einen Bethelfilm vorzuführen. Da möchte ich nicht versäumen, Ihnen auf diese Weise wieder einen Gruß und ein Lebenszeichen zukommen zu lassen. Es ist möglich und wahrscheinlich, daß Sie mich nicht mehr kennen; umsomehr habe ich Bethel in guter und warmer Erinnerung. Von der theologischen Schule zog ich in den Krieg mit den glühenden Hoffnungen, die wir alle bei unserer Abschiedsfeier hegten. Nach dem Rückzug starben meine Eltern kurz nacheinander und das liebe Geld ließ mich nach einem Beruf umsehen, der wenig Kosten verursachte; ich trat bei einem Freund als Lehrling in der Apotheke ein und lernte dort meine Frau kennen. Ich habe noch als Lehrling geheiratet. Wir haben oft unter harten Bedingungen zusammengearbeitet, bis ich mein erstes Examen machen konnte und unser Ältester geboren wurde. In Kiel habe ich dann studiert, bis sich in Teterow i. Meckl. die Gelegenheit gab, eine Apotheke pachtweise zu verwalten. In Rostock habe ich am 1.11.23 mein Studium beendet, während meine Frau mit einem Lehrling und nun zwei Kleinen die Apotheke besorgte. Nun atmen wir zum erstenmal auf. Es ist eine ganz neue Apotheke, die noch wenig eingeführt ist, aber wir haben unser Auskommen, sind selbständig und haben auch im Ort sehr anregenden Verkehr, sodaß wir mit unserem Los sehr zufrieden sind.
Ich möchte Sie nun sehr bitten, mir doch regelmäßig wieder das gelbe Bethelheft zukommen zu lassen; ich habe es, seit ich von Hause fort bin, nicht mehr gelesen. Heute abend will ich meiner Frau an Hand des Films zeigen, wo ich ein Semester lang eine schöne und glückliche Zeit verlebt habe.
Mit herzlichsten Grüßen
auch an Ihre Gattin und Herrn Pastor ?, falls er noch dort ist (er wird sich des Velberters vielleicht erinnern)
Ihr Hermann Güllekes.

Quelle: LkA EKvW 13.99 Nr. 1094/12: Studentenakte von Hermann Güllekes in der Kirchlichen Hochschule Bethel

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