Feldpost des Theologiestudenten August Heienbrok nach Bethel

Die Studentenakten der Kirchlichen Hochschule Bethel, die 1905 als Theologische Schule für den evangelischen Pfarrernachwuchs gegründet worden war, beinhalten Korrespondenz mit den Dozenten und von den Familien der angehenden Theologen. Aus der Zeit des Ersten Weltkriegs findet sich auch Feldpost, so auch im Fall von August Heienbrok.

Lebenslauf von August Heienbrok („Bethel d. 2. X. 09“):

– „Geboren am 13. VII. 1889 als Sohn des damaligen Hausvaters und Bürovorstehers Missionar Wilhelm Heienbrok

– vier Jahre Besuch der Volksschule zu Gadderbaum, dann neun Jahre Gymnasium zu Bielefeld

– dann drei Semester Studium an der theologischen Fakultät der Universität Greifswald

– will im WS 1909/10 die Theologische Schule in Bethel besuchen, bittet deshalb um Aufnahme

Feldpostbrief

P1100774

P1100775

Grandelain, d. 17. Juli 1915.

Sehr verehrter Herr Pastor!

Für Ihr frdl. Schreiben, welches mich vor wenigen Tagen erreichte, sage ich meinen ergebensten Dank. Das ist es ja immer, was einen aufrecht erhält, zu wissen, daß so Manche mit ihrer Teilnahme und ihrem Gebet hinter uns stehen. Wir haben ja auch hier im Westen gegen verschiedene Fronten zu kämpfen, besonders auch gegen die überhandnehmende Kriegsmüdigkeit unserer Feldgrauen. Man versteht’s, ein zweiter Winter wäre in der Tat furchtbar, wenngleich man sich diesmal besser vorbereiten kann, als das im vorigen Jahre der Fall war. Ich habe bisher immer das Glück gehabt mit einem Freunde, Herrn cand. th. Dieckmann, zusammen sein zu können. Auch gegenwärtig bewohnen wir einen Raum für uns. Herr Pfarrer Niemöller ist unser Divisionspfarrer. Mancherlei ernste Erlebnisse haben uns trotz der Kürze der Zeit bereits ein wenig den Ernst der Zeit verstehen gelernt. Und man betet inbrünstiger das Gebet um baldigen, natürlich ehrenvollen und siegreichen Frieden.
Mit nochmaligem Dank verbleibe ich mit dem Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung
Ihr ergebener
Aug[ust] Heienbrok
Kand. d. Theologie.

Postkarte an Pastor Jäger in Bethel von August Heienbroks Bruder (?)

Auf Umwegen!
Aus dem Schützengraben in Frankreich her erfahre ich, daß Gott Ihnen ein liebes Töchterchen geschenkt hat. Ich freue mich mit Ihnen dieses Segens; und daß kein Kanonendonner den ersten Schlummer stören durfte, ist gewiß auch Gottes Güte. August läßt Ihnen (über Salzuflen) herzlich danken für alles, was er von Ihnen erfahren u. empfangen durfte. Gott segne u. helfe weiter.
Mir tut der Aufenthalt hier gut.
Mit herzlichen Grüßen auch an Ihre liebe Frau Gemahlin, der es hoffentlich gut geht.

Ihr Heienbrok
Salzuflen
30.7.15

Über das weitere Schicksal von August Heienbrok geben u.a. die Verlustlisten des Ersten Weltkriegs Auskunft, hier zum Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 39, 4. Kompanie:

Verlustliste S. 8328, 24.8. 1915:
Utffz. August Heienbrok, Gadderbaum, Bielefeld – leicht verwundet, bei der Truppe

Verlustliste S. 12689, 27. Mai 1916:
Offz. Stellv. August Heienbrock (mit ck!), Gadderbaum, Bielefeld, gefallen

Laut Wikipedia-Eintrag über Vater Wilhelm Heienbrok (1855-1949) fielen zwei seiner Söhne im Ersten Weltkrieg

Quelle: LkA EKvW 13.99, Nr. 1162/10

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